Sport : Schwer, aber nicht unmöglich

Eigenblutdoping ist mit einigem Aufwand durchaus nachweisbar

Frank Bachner

Berlin - Fritz Sörgel ist Wissenschaftler, er redet vorsichtig. Der Pharmakologe Sörgel weiß, dass zwei Institute durchaus verschiedene Ergebnisse ermitteln können, wenn sie die gleiche Substanz analysieren. „Bis zu 15 Prozent kann die Abweichung betragen.“ Zum Beispiel bei einer A- und B-Probe eines Dopingtestes. „Wenn dann ein Wert über und einer unter dem Grenzbereich liegt, kann es Probleme geben“, sagt Sörgel, Leiter des Instituts für pharmazeutische Forschung in Nürnberg. Wenn allerdings stimmt, was die ARD am Freitagabend verkündete, dass nämlich bei Tour-de-France-Sieger Floyd Landis der Quotient von Testosteron und Epitestosteron in der A-Probe bei elf liegt und die Isotopenanalyse vorliegt (die schlüssig beweist, ob Testosteron von außen zugeführt wurde), „dann müssen wir uns nicht weiter unterhalten“. Dann sei klar: „Landis hat von außen Testosteron erhalten.“ Ab dem Wert vier gilt man als gedopt.

Testosteron im Wettkampf zu nehmen, ist entweder naiv oder wagemutig, weil es bei Wettkampfkontrollen leicht entdeckt werden kann. Problematischer ist der Missbrauch von Eigenblut. Jan Ullrich steht im Verdacht, damit experimentiert zu haben, Ivan Basso, der Giro-Sieger, auch. Eigenblutdoping gilt als nicht nachweisbar, lautet die gängige Meinung, die allerdings nicht ganz stimmt. Mit einigem Aufwand könnte man es schon nachweisen – zumindest in Wettkampfphasen und unmittelbar, nachdem es ein Sportler angewandt hat. „Die wissenschaftliche Grundlage ist schon da, der Aufwand aber ist riesig“, sagt Sörgel.

Ausgangspunkt ist ein engmaschiges Kontrollsystem, zumindest zwei Monate vor einem Höhepunkt, zum Beispiel der Tour de France. Eigenblutdoping ist bei jedem Fahrer nachweisbar, indem man alle verfügbaren Blutwerte wie etwa Hämatokritwerte, aber auch das Gesamthämoglobin vergleicht. Wenn jemand zwei Monate lang die annähernd gleichen Werte hat, sofern er kurz zuvor nicht im Höhentraining war, dann fällt ein erhöhter Wert kurz vor einem Rennen auf. Dann kann es sich nur um Eigenblutdoping handeln. „Die endgültige Interpretation der Werte muss aber von einem erfahrenen Hämatologen vorgenommen werden“, sagt Sörgel, „nicht von einem Routinedopinganalytiker.“ Die Dopinglabore müssten ihre Grenzen kennen. „Kein Mensch käme auf die Idee, eine Gehirnoperation von einem Bauchchirurgen durchführen zu lassen“, sagt Sörgel.

In einem Rennen kann zwar auch ein erhöhter Hämatokritwert auftauchen, weil die Fahrer durch das Schwitzen viel Wasser verlieren, aber diesen Umstand kann man im Blut mit dem Gesamthämoglobinwert nachweisen. Wenn nach achtwöchiger Kontrolle ein Hämatokritwert auffällt, dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um Eigenblutdoping, dann ist auch nicht mehr bloß eine Gesundheitssperre möglich. Wenn diese langfristige Kontrolle fehlt, kann man auch auf einen erhöhten Hämatokritwert nur mit einer Gesundheitssperre reagieren, weil die Vergleichswerte fehlen.

Bei der Langläuferin Evi Sachenbacher traf dies vor den Olympischen Winterspielen zu, deshalb wurde sie zunächst gesperrt. Inzwischen versucht sie in Zusammenarbeit mit der Internationalen Antidoping-Agentur Wada zu beweisen, dass die Schwankung ihres Hämoglobinwertes natürliche Ursachen hat. Dazu hilft die Bestimmung ihrer Basiswerte. Sind diese auch bei einem Radprofi vorhanden, können sie auch ein Jahr später verwendet werden. Dann genügt es, wenn man 14 Tage vor einem Rennen die Feinanalyse macht. Drei Kontrollen in den letzten zwei Wochen vor einem Wettkampf genügen dann.

Allerdings sind die Kontrollen kostspielig. Man muss die Fahrer zwei Monate lang begleiten, notfalls auf jedem Flecken der Erde, auf dem sie trainieren oder gerade leben. Vereinfacht wird der Aufwand, wenn alle Fahrer zum Beispiel beim Giro oder bei der Tour de Suisse sind. Dann wären sie greifbar.

Jens Voigt, der Radprofi von der CSC-Mannschaft, plädiert zudem dafür, die DNA jedes Fahrers übers Blut feststellen zu lassen. Auch dann seien Nachweise möglich. Jan Ullrich weigert sich bisher, durchaus im Einklang mit geltendem Recht, diesen DNA-Test zu machen. Mit der Probe ließe sich feststellen, ob das Blut, das bei dem berüchtigten spanischen Sportarzt Eufemiano Fuentes gefunden wurde, tatsächlich von ihm stammt. Die DNA eines Menschen kann übers Blut mit Hilfe der weißen Blutkörperchen bestimmt werden. Dort ist sie enthalten. Theoretisch kann man auch über die Haare eines Menschen dessen DNA bestimmen. Aber Wissenschaftler bevorzugen aus praktischen Gründen die Methode über das Blut. Man kann damit schon wegen des Volumens besser arbeiten. „Wenn einer mit einem einzelnen Haar kommt, das schnell verschwinden kann“, sagt Sörgel, „dann bekommt man als Wissenschaftler aus Nervosität schon feuchte Hände.“

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