Sport : Schwer getroffen

Nach der Niederlage gegen Mikkel Kessler steht Markus Beyer vor dem Ende seiner Boxkarriere

Hartmut Scherzer[Kopenhagen]

Die Eltern in der ersten Ringreihe sprachen sofort ein Machtwort. „Das reicht“, schrie Vater Beyer. „Aufhören“, stimmte Mutter Beyer zu. Ihr Sohn Markus hatte auch eine Stunde nach der bitteren K.-o.-Niederlage in der dritten Runde im WM-Kampf im Super-Mittelgewicht gegen den Dänen Mikkel Kessler „keinen klaren Kopf, um sich über Fortsetzung oder Ende der Karriere zu unterhalten“. Sein Trainer Ulli Wegner, zu Tränen gerührt („das tut in der Seele weh“), und Manager Wilfried Sauerland wollten erst einmal abwarten, ehe sie mit ihrem Boxer über dessen Zukunft reden. „Doch wer mich kennt“, deutete Sauerland nach dem Kampf von Kopenhagen an, „weiß, was ich ihm sagen werde.“

Als Titelträger waren der Däne und der Deutsche im kalten, obwohl geschlossenen Fußballstadion Parken am späten Samstagabend zum Vereinigungskampf angetreten. Die Betreuer trugen die Insignien in den Ring, den WBA-Gürtel hinter der dänischen Fahne, den WBC-Gürtel hinter der deutschen. Zwei Weltmeister, aber nur ein Champion: Der 27 Jahre alte Kessler trat mit der Souveränität und dem Selbstbewusstsein des 37-maligen Siegers in 37 Kämpfen auf. Eine Bilanz, die auch Markus Beyer zu beeindrucken schien. Der Deutsche hielt nicht dagegen: Wie gefällt krachte Beyer auf den Rücken, rollte zur Seite, blickte in die Ecke. Von dort kamen Wegners Rufe: „Hoch! Aufstehen!“ Doch da signalisierte der italienische Ringrichter Guido Cavalleri Beyer bereits das Aus, nach 2:58 Minuten der dritten Runde. Noch benommen stolperte Beyer in die Arme seines konsternierten Trainers.

Der Geschlagene gab sich allerdings später garstig. „Hinten anstellen“, so viel stand für Markus Beyer fest, „werde ich mich mit 35 Jahren mit Sicherheit nicht.“ Das heißt: Wenn überhaupt, komme nur die Chance infrage, sich direkt zum dritten Mal den Titel zurückzuholen. Doch wenn er mit dem nötigen Abstand erst wieder klar denken kann, wird auch Markus Beyer zu dem Schluss kommen: eine Illusion. Vater Siegfried Beyer, der seinen Sohn als Kind zum Boxen gebracht und ihn als Vereinstrainer von Wismut Schwarzenberg im Erzgebirge auch ausgebildet hatte, ist Realist: „Markus hat so viel für den deutschen Boxsport getan. Er muss nicht zum vierten Mal Weltmeister werden. Ich weiß, dass er jetzt aufhören wird.“

Gegen den „physisch stärksten Gegner“, wie Beyer sagte, hatte Markus Beyer in dieser kalten Nacht von Kopenhagen eben keine Chance. Sein Trainer Wegner rühmte in all seiner emotionalen Betroffenheit indes die Extraklasse Kesslers: „Da muss man fair sein und anerkennen, dass Kessler der bessere Mann war.“

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