Sport : Schwer hinterher

Nach seiner Aufgabe bei dem Rennen Flèche Wallonne sagt Jan Ullrich die nächsten Starts ab

Mathias Klappenbach

Berlin. Die Mauer war zu hoch. Nach 100 Kilometern ist Jan Ullrich am Mittwoch beim Rennen Flèche Wallonne vom Rad gestiegen. Nur zwei Drittel der gefürchteten „Mauer von Huy“, wie dieser steile Anstieg im Radsport genannt wird, hatte er zurückgelegt. Nun wird gerätselt: Offenbarte sich nur eine Formschwäche, wie er sie in den vorhergehenden Jahren stets im Frühjahr hatte? Oder kämpft er mit noch größeren Gewichtsproblemen als sonst?

Am Tag darauf hat Ullrichs Team T-Mobile die nächsten Starts abgesagt. Der 30-Jährige verzichtet auf die Teilnahme bei dem Weltcup-Klassiker Lüttich – Bastogne – Lüttich am kommenden Wochenende und bei dem Frankfurter Rennen Rund um den Henninger Turm am 1. Mai. Bis zur Tour de France wird Ullrich kein Weltcup-Rennen bestritten haben. Nicht gerade die härteste Vorbereitung.

„Ich bin ehrlich genug zuzugeben, dass dieses Rennen für mich in meiner derzeitigen Form noch eine Etage zu hoch war“, sagt Ullrich über seinen Ausstieg. „Es besteht aber kein Grund zur Panik“, sagt Rudy Pevenage, der Freund und persönliche Berater von Jan Ullrich. „Wir hatten auf gute Leistungen von Jan im April gehofft. Aber wir können mit der Kritik leben, weil noch nichts Wichtiges passiert ist.“ Der ehemalige Sportliche Leiter vom Team Telekom hatte mit Ullrich 2002 die Mannschaft von einem Tag auf den anderen verlassen und ist seitdem mit Teammanager Walter Goodefroot zerstritten. Seit der Rückkehr Ullrichs darf er deshalb während der Rennen keinen Kontakt zu ihm haben. Nun sagt Pevenage: „Wir werden an einem Strang ziehen.“

Die Streitigkeiten zwischen Pevenage und T-Mobile waren als ein Grund für die schwache Form Ullrichs ausgemacht worden. Die Teamleitung teilte gestern mit, dass die „Irritationen ausgeräumt sind und wir eine gemeinsame Basis gefunden haben“. Wie diese im Detail aussieht, bleibt unklar. Pevenage wird auch in Zukunft nicht neben Mario Kummer, dem Sportlichen Leiter vom T-Mobile-Team, im offiziellen Auto sitzen und bei den Rennveranstaltungen hinter den Absperrungen bleiben müssen. „Wir müssen jetzt alles dem gemeinsamen Erfolg unterordnen, damit Jan bei der Tour Lance Armstrong angreifen kann“, sagt Pevenage, der Ullrich vor allem in den Trainingsphasen intensiv zur Seite steht. „Sicher könnte Jan etwas dünner sein. Aber er ist für sein Gewicht selbst verantwortlich und muss sich zusammenreißen“, sagt der Belgier.

Zum gleichen Zeitpunkt im vorigen Jahr war Deutschlands Sportler des Jahres besser in Form, er kam beim Flèche Wallonne knapp hinter dem Sieger ins Ziel. Kurz zuvor hatte er mit dem Sieg bei Rund um Köln sein großes Comeback gefeiert. Damals, nach seiner Dopingsperre, fuhr er noch für das später aufgelöste Team Coast – und um seine sportliche Zukunft. Seit er wieder zur Telekom-Tochter T-Mobile zurückgekehrt ist, ist er wieder der umsorgte Superstar in einem hochklassigen Team. Das mit immensem Aufwand das Unternehmen Tour-Sieg in Angriff nimmt. Und der fünfmalige Tour-Zweite steht, wie in fast jedem Frühjahr, in der Kritik. „Es scheint, dass Ullrich wieder zu wenig gearbeitet hat und zu viel wiegt“, sagte der fünfmalige Tour-Sieger Eddy Merckx. Bjarne Riis, Manager beim Team CSC, warf seinem ehemaligen Teamkollegen vor, ein zu leichtes Programm zu absolvieren. Er hätte bei dem anspruchsvollen Kopfsteinpflaster-Klassiker Paris – Roubaix starten sollen. „Das ist Unsinn. Wie groß wäre das Geschrei, wenn Jan dort gestürzt wäre. So etwas ist viel zu gefährlich“, sagt Rudy Pevenage.

Stattdessen wird Ullrich jetzt in seiner Wahlheimat Schweiz traineren. Sein nächster Start ist erst am 29. Mai geplant. Das Rennen wird in Thüringen stattfinden und nennt sich: Rund um die Hainleite.

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