Sport : Schwer verwirrend

Der frühere Tour-de-France-Sieger Marco Pantani wird in einer Nervenklinik behandelt – warum, das weiß niemand so genau

Vincenzo Delle Donne

Die Aussagen von und über Marco Pantani sind im Moment ein wenig verwirrend. Am Wochenende war bekannt geworden, dass der frühere Tour-de-France-Sieger in einer Nervenklinik behandelt wird. Sein Radteam Mercatone Uno behauptet trotzdem, dass sich Pantani auf die Vuelta in Spanien vorbereite, die im September beginnt. Der Patient selbst trägt auch nicht zur Aufklärung bei: „Ich bin hier, weil die Dopingkontrolleure mir im Nacken sitzen, aber ich werde bald zurückkehren.“

Gerade daran aber wird immer stärker gezweifelt. Es gibt Stimmen, die sagen, dass Pantani in der Nervenklinik in Teolo nahe Padua wegen einer Depression behandelt werde. Eine offizielle Erklärung seines Teams blieb bisher aus. Sein Teamkollege Daniel Clavero sagte der „Gazzetta dello Sport“: „Pantani unterzieht sich derzeit einer Reihe wissenschaftlicher Tests.“ Neben der Behandlung psychischer Krankheiten ist die Klinik in Teolo auch auf Entzugstherapien spezialisiert.

Wie auch immer: Das Comeback des 33-jährigen Radprofis scheitert wohl erneut. Dabei schien es beim letzten Giro d’Italia, als könne Pantani wieder an seine Glanzzeit anschließen. Obwohl er damals schwer stürzte, platzierte er sich am Ende auf Rang 14. In den schweren Dolomiten-Etappen blitzte sogar etwas von seinem alten Können als Bergspezialist auf. Selbst eine Teilnahme an der Tour de France, die er 1998 gewonnen hat, schien wieder möglich. Kaum aber war Pantani in seine alte Umgebung nach Cesenatico und in seinen verrufenen Freundeskreis zurückgekehrt, wurden die Pläne wieder hinfällig. Er stürzte sich ins Nachtleben, anstatt sein Comeback voranzutreiben.

Den Höhepunkt seiner Karriere hatte Pantani 1998 erreicht, als er mit dem Sieg beim Giro und bei der Tour das Double des Radsports schaffte. „Pantani ist wie ein Held, und die Tour ist wie eine griechische Tragödie“, jubelte damals sogar Literaturnobelpreisträger Dario Fo. Dann aber ging es mit Pantani bergab. 1999 wurde er beim Giro als Führender des Gesamtklassements vor der vorletzten Etappe disqualifiziert – wegen eines zu hohen Hämatokritwertes. Er selbst sprach von einem Komplott gegen ihn. Kurz darauf wurde ihm nachgewiesen, schon 1995 mit Epo gedopt zu haben. 2001 beschlagnahmte die Polizei bei einer Razzia eine Insulinspritze in seinem Hotelzimmer. Später hat Pantani einmal gesagt: „Ich möchte mir nichts vormachen. Es ist schwierig, normal zu sein.“

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