Sport : Schwere Anreise, schwere Abreise

Hertha BSC geht in Frankfurt zweimal in Führung und spielt am Ende nur 2:2 – zu wenig im Abstiegskampf

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Die etwas beschwerliche Dienstfahrt mit der Eisenbahn nach Frankfurt am Main sollte sich für die Reisegruppe von Hertha BSC nicht lohnen. Wegen der Kalamitäten im europäischen Luftraum hatte der Bundesligist seine Pläne ändern und beim Hauptsponsor, der Deutschen Bahn, buchen müssen. Doch während niemand so richtig weiß, wann der Flugbetrieb über Deutschland wieder zur Normalität findet, darf der Klub aus Berlin sich mit dem Gedanken anfreunden, nach dem Sommer noch ganz andere Reisen angehen zu können. Reisen in Städte, die die Zweite Liga bereithält. Zwar ist Herthas Abstieg nicht besiegelt, doch das 2:2 (1:2) gegen Eintracht Frankfurt hilft dem Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga nicht weiter. Zum Relegationsplatz sind es bei drei ausstehenden Spielen nach wie vor fünf Punkte. „Wir sind zum Siegen verdammt“, sagte Herthas Kapitän Arne Friedrich. Die Gegner heißen nun Schalke, Leverkusen und FC Bayern. „Das wird nicht einfach“, ergänzte Manager Michael Preetz.

Dabei hatte sich in Frankfurt ein Spielchen entwickelt, wie es Hertha liegt. Den Berlinern gelingt ja nicht viel in dieser Bundesligaspielzeit, mit Ausnahme vielleicht der Auswärtsspiele. In der Rückrunde verbuchten sie vier Siege in der Ferne. Nach einer guten Viertelstunde gingen die Berliner also auch in Frankfurt in Führung. Eine gelungene Kombination zwischen Raffael, der flankte, und Cicero, der mit dem Kopf ablegte, vollendete Gojko Kacar ebenfalls mit dem Kopf zum 1:0.

Danach aber ließen die Berliner die Gastgeber ihren Rhythmus finden, warum auch immer. Besser war die Eintracht bis zum Spielende nicht. Normalerweise versteht es Hertha, die Führung auf fremden Plätzen gut auszunutzen. Der Gegner muss etwas tun, bietet den Berlinern somit Räume. Dieses Mal aber wusste Hertha damit nichts anzufangen.

Im Gegenteil. Jaroslav Drobny musste zunächst einmal ein Gegentor verhindern. Nachdem sich der Tscheche durch schlampiges Abwehren selbst in Bedrängnis gebracht hatte, scheiterte der Frankfurter Stürmer Halil Altintop an Herthas Torwart. In der Folgezeit erreichte das Gebolze einen gewissen Höhepunkt. Kaum ein Pass erreichte den gewollten Abnehmer. Auch die Frankfurter machten es keineswegs besser als der Tabellenletzte. Allerdings nutzten sie einen Stellungsfehler in der Berliner Hintermannschaft zum Ausgleich. Ümit Korkmaz erzielte nach fast 40 gespielten Minuten von der Fünfmeterlinie das 1:1, Drobny war machtlos.

Und es hätte auch wirklich nicht viel gefehlt, dann wäre Hertha noch vor der Pause sogar in Rückstand geraten. Nach einem Foul Fabian Lustenbergers an Caio entschied Schiedsrichter Felix Brych auf Strafstoß. Diesen wiederum versemmelte Pirmin Schwegler kläglich. Die Strafe dafür folgte auf dem Fuße. 33 Sekunden später, also im Gegenzug, ging Hertha erneut in Führung. Den Schuss von Adrian Ramos konnte Torwart Oka Nikolov noch abwehren, den Nachschuss aber drückte Raffael über die Torlinie. „Leider haben wir in der zweiten Halbzeit nicht so konsequent auf Sieg gespielt“, sagte hinterher Manager Preetz.

Tatsächlich war das Tor zum Frankfurter Ausgleich nicht unverdient. Nach einem Freistoß des früheren Berliners Benjamin Köhler köpfte Marco Russ über Drobny hinweg ein zum 2:2. Es lässt sich darüber streiten, ob dem Freistoß wirklich ein Foulspiel (Kobiaschwili an Franz) vorausgegangen war. Hertha boten sich noch zwei Möglichkeiten. Die beste vergab Steve von Bergen, der allein vor dem gegnerischen Tor auftauchte und leider eine „falsche Entscheidung“ fällte, wie es Trainer Friedhelm Funkel sagte. Statt selber aufs Tor zu schießen, legte er quer zu Raffael, der knapp im Abseits stand.

Der Brasilianer hatte dann kurz vor dem Abpfiff noch eine Chance aus spitzem Winkel, Nikolov parierte mit guter Beinabwehr. „Wir werden bis zum Schluss weitermachen“, versprach Kapitän Friedrich am Ende. „Wir haben zwar die schlechtesten Karten“, sagte Trainer Funkel, „aber wir werden an uns glauben und das Letzte aus uns rausholen.“ Dann setzte sich die Reisegruppe wieder in die Eisenbahn.

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