Schwerer Unfall : Vom Eis auf die Intensivstation

Nach einem heftigen Stürz in der Eishockey-Oberliga lag Boris Zahumensky vom EV Landsberg im Koma. Nun geht es ihm wieder besser, die Frage nach der Sicherheit aber bleibt.

Katrin Schulze
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Foto: promo

Berlin - Norbert Zabel brachte am Dienstagmittag gute Nachrichten mit ins bayrische Landsberg. Der Trainer des Eishockey-Oberligisten EV Landsberg kam gerade zurück aus dem Münchner Klinikum, in dem sein Verteidiger Boris Zahumensky liegt. „Es geht ihm mittlerweile besser“, sagte Zabel. „Er ist nicht mehr auf der Intensivstation.“ Bis Sonntag wurde Zahumensky infolge einer Operation noch im künstlichen Koma gehalten, nachdem er sich am Freitagabend im Ligaspiel gegen Dortmund eine schwere Verletzung zugezogen hatte. „Dass ein Sturz derartige Folgen hat, habe ich noch nie erlebt“, sagte der Landsberger Coach. „Es war eine schlimme Situation.“

Das Unglück passierte in der 49. Spielminute: Zwei Meter vor der Bande verlor Zahumensky nach einem Zweikampf mit Gegenspieler Ryan Martens bei hoher Geschwindigkeit das Gleichgewicht und knallte frontal gegen die Bande. Erst Minuten später konnte der 24 Jahre alte Slowake vom Eis getragen werden. Die Diagnose – Bruch von fünf Wirbeln im Hals- und Brustbereich – ist erstaunlich, weil dem Sturz „kein übertriebener Check vorausgegangen ist“ wie Zabel sagt.

Zigfach werden Eishockeyspieler während eines Spiel gecheckt – nur selten allerdings enden sie danach im Krankenbett. „Früher, als die Spieler noch wenig Protektoren trugen, verletzten sie sich häufig schwer. Mittlerweile aber besteht ein guter Schutz“, sagt Sportmediziner Thorsten Dolla, der einst beim Eishockeyklub Berlin Capitals und beim Fußball-Bundesligisten Hertha BSC beschäftigt war. Dennoch räumt Dolla ein, „dass das Verletzungsrisiko beim Eishockey höher ist als im Fußball“. Auf dem Eis entwickeln sich schlicht höhere Geschwindigkeiten, die bei einem unglücklichen Zusammenprall verheerende Folgen haben können.

Erst Ende September kam es bei einer Partie der Deutschen Eishockey-Liga zwischen dem EHC Wolfsburg und den Frankfurt Lions zu einem ähnlichen Vorfall wie kürzlich in Landsberg. Frankfurts Stürmer Jason Ulmer verlor nach einem harten Check gegen die Bande sogar kurz das Bewusstsein – und trug eine schwere Gehirnerschütterung davon. „Trotzdem kann man Eishockeyspieler kaum besser schützen, schließlich können sie ja nicht als Mumie übers Eis laufen“, findet Sportmediziner Dolla.

Auch der Trainer des EV Landsberg hält zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen für unnötig. „Solche Verletzungen sind ja zum Glück die absolute Ausnahme. Boris hatte einfach sehr viel Pech“, sagt er. Pech, das auch Zahumenskys Mitspieler nur schwer verkrafteten – bis in die Nacht hinein riefen sie Trainer Zabel besorgt an. „Eishockey hatte da niemand im Sinn“, sagt der Coach. Aus diesem Grund wurde auch die für Sonntag angesetzte Begegnung des EV gegen Rosenheim verlegt.

Wann Boris Zahumensky wieder für seinen Klub auflaufen wird, ist noch unklar. Mindestens sechs Wochen lang muss er eine Halskrause tragen, danach folgen Rehamaßnahmen. Aber in Anbetracht des Zwischenfalls „sind wir froh, dass er überhaupt wieder Arme und Beine bewegen kann“, sagt Norbert Zabel.

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