Schweres Spiel : Die Provinz wehrt sich bis zum Schluss

Die Eisbären besiegen Iserlohn 3:2. Aber erst nach Verlängerung und nach Penaltys.

Claus Vetter

BerlinHahnengeschrei drang aus den Lautsprechern, auf den Rängen wurde wenig charmant "Bauerntölpel" skandiert. Die Iserlohn Roosters (zu Deutsch "Hähne") schauten in der neuen Arena im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg vorbei. Dass die Eisbären-Fans den Klub aus der sauerländischen Mini-Großstadt mit ihren Sprechchören diffamierten, war sicher nicht ganz ernst gemeint. In dieser Saison schienen sie kein ernsthafter Gegner für die Berliner zu sein, zwei Mal hatte Iserlohn schon gegen die Eisbären verloren. Offensichtlich war das Anlass genug, den Gegner kräftig zu unterschätzen: Am Dienstag hatte der Tabellenzweite der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) vor 13 200 Zuschauern gegen den Tabellenachten aus Iserlohn viel Mühe und siegte erst nach Penaltyschießen. Andrew Roach schoss das Tor zum 3:2 (2:1, 0:0, 0:1/1:0)-Erfolg der Eisbären.

Iserlohn ist sicher das beste Beispiel in der DEL für einen gut geführten unteren Mittelklasseklub. Vergangene Saison hat der Provinzverein sogar erstmals die Play-offs erreicht und dann das Jahr noch mit finanziellem Überschuss abgeschlossen. Die Gefahr, dass den Roosters einmal der ganz große sportliche Erfolg gelingt, besteht aber langfristig nicht. Dafür fehlen den Sauerländern die Mittel für ausreichend starkes Personal. Momentan hängt zu viel von den beiden treffsicheren Stürmern Michael Wolf und Robert Hock ab. So war es zwei Drittel lang auch gestern. Da erschreckte Hock früh Berlins Torwart Rob Zepp mit einem Pfostenschuss und erzielte nach dem glücklichen 1:0 der Berliner durch Nathan Robinson sogar das 1:1. Da aber außerhalb der ersten beiden Iserlohner Sturmreihen selten gutes Eishockey gespielt wird, hatten es die Eisbären danach im ersten Drittel einfach.

Richie Regehr überwand nach sieben Minuten den wackligen Iserlohner Torwart Sebastian Stefaniszin mit einem Schuss von der blauen Linie, dann war bis zum letzten Drittel gepflegte Langeweile angesagt. Die knappe Führung der Eisbären verleitete die Roosters aber doch noch dazu, sich ernsthaft zu wehren. So gelang Chris Schmidt kurz vor Schluss im Powerplay der glückliche Ausgleichstreffer. Nach torloser Verlängerung musste im Penaltyschießen ein Sieger gefunden werden - in dem Penalty-Experte Roach in seiner unnachahmlichen Manier für die Eisbären traf.

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