Sport : Schwierige Annäherung

Die transsexuelle Mianne Bagger spielt in Sydney erstmals ein Profigolfturnier – und scheitert am Trubel

Jutta Meier

Sydney. Mianne Bagger würde normalerweise gar nicht auffallen. Ihre blonden Haare hat sie nach hinten zu einem Zopf zusammen gebunden, sie ist groß und schlank, sportlich durchtrainiert, aber nicht übermäßig muskulös. Dennoch scheint sich die ganze Aufmerksamkeit bei den Australian Women’s Open in Sydney auf sie zu konzentrieren. Mianne Bagger ist die erste Transsexuelle, die an einem offiziellen Frauen-Golfturnier teilnehmen darf. Ein bemerkenswertes Ereignis in der konservativen Golfwelt. Bei Turnierbeginn am Donnerstagmorgen um acht Uhr hielten sich nur zwei Zuschauer auf dem Grün des Concord Golf Club in Sydney auf. Doch das änderte sich schnell, als Mianne Bagger auftauchte.

Neben hunderten Zuschauern kamen vor allem zahlreiche Fernsehteams – und mit ihnen die Nervosität bei Mianne Bagger. „Ich fühlte mich ziemlich betäubt an den ersten sieben Löchern“, sagte sie der Nachrichtenagentur AAP. „Unterhalb meiner Schultern habe ich so gut wie gar nichts mehr gespürt.“ Mit 12 Schlägen über Par 72, so das schwache Resultat dieses historischen Tages, stand bereits am ersten Turniertag fest, dass sie nicht einmal den Cut schaffen würde. Immerhin hatte sie am folgenden Tag ihre Nerven im Griff und schaffte eine 74er Runde.

„Ich wusste nicht, wie ich mit dem ganzen Trubel umgehen soll“, sagte sie vor Turnierbeginn der Zeitung „The Age“. Es sei schwierig gewesen vorherzusehen, wie groß die Aufmerksamkeit wirklich sein würde. „Ich habe mein Bestes gegeben und versucht, alles um mich herum auszublenden und einfach mein Spiel zu machen – aber ich habe es einfach nicht geschafft.“

Auch offenbarte sich, dass Baggers physische Kraft nicht die eines Mannes ist. Im Vorfeld des Turniers war das die wohl größte Sorge einiger anderer Golfspielerinnen gewesen. Ihr weitester Abschlag in der ersten Runde lag bei 196 Metern, und auch sonst liegen ihre Abschläge im Durchschnitt bei lediglich 200 Metern. Damit lag sie am Donnerstag deutlich hinter der Schwedin Sophie Gustafson, die den längsten Abschlag des Tages mit 241 Metern erzielte, gefolgt von der Engländerin Laura Davies mit 235 Metern.

Angefangen als achtjähriger Junge

„Was viele Leute nicht bedenken, ist, dass sich bei einer Geschlechtsumwandlung aufgrund einer speziellen Hormontherapie auch physiologische Veränderungen einstellen“, erklärte Bagger. So verliere ein Mann nach der Operation eine Menge Muskelmasse und Kraft. „Und zwar für immer“, wie sie betont. Die 37-Jährige, die als achtjähriger Junge mit dem Golfspielen begann und es als Mann bis zum Handicap vier brachte, unterzog sich 1995 einer Geschlechtsumwandlung. Erst 1998 begann die gebürtige Dänin, die 1979 mit ihrer Familie nach Adelaide auswanderte, wieder mit dem Golfspielen.

Da der australische Frauengolfverband, Women’s Golf Australia, im Gegensatz zu den internationalen Profi-Frauengolfverbänden seit drei Jahren eine Teilnahme transsexueller Spielerinnen erlaubt, konnte sich Bagger hier einen Platz unter den ersten zehn der Amateur-Frauengolferinnen erkämpfen. Dreimal gewann sie die südaustralischen Amateur-Golf-Meisterschaften, bevor sie sich entschloss, professionell Golf zu spielen. Sie trat der dänischen PGA bei, die sowohl männliche als auch weibliche Mitglieder aufnimmt.

Verbot aller anderen Verbände

In den Statuten der anderen Profi-Frauengolfverbände wie dem Australian Ladies Professional Golf (ALPG), der amerikanischen Ladies Professional Golf Association (LPGA) und der europäischen Frauentour (LET) gibt es eine Klausel, die besagt, dass Teilnehmerinnen an Frauen-Profigolfturnieren als Frauen geboren sein müssen. Eine Regel, die eingeführt wurde, nachdem die transsexuelle Amerikanerin Charlotte Wood 1987 Dritte bei den amerikanischen Frauen-Amateurmeisterschaften wurde.

Möglich wurde Baggers erste Teilnahme an einem Profigolfturnier nur, weil der Amateurverband, Women’s Golf Australia, Organisator der Australian Women’s Open ist und sie zu dem Turnier eingeladen hatte, nachdem sie die Qualifikation im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Jahren in diesem Jahr geschafft hatte.

Das Frage ist nun, was nach den Australian Women’s Open kommt. Alles, was Mianne Bagger will, ist professionell Golf spielen. Politische Botschafterin für Transsexuelle zu sein, sei eigentlich nicht ihr Anliegen. „Ich bin 37, und wenn ich jemals professionell Golf spielen will, dann muss ich das jetzt tun“, sagte sie der Zeitung „The Age“. So hat Bagger nun die Mitgliedschaft im australischen Frauen-Profiverband beantragt. Die Abstimmung darüber wurde bei dessen jährlichem Treffen am Dienstag aufgeschoben, bis ein Bericht über Geschlechtsumwandlung bei Sportlern vorliegt.

Für Bagger ist das schon ein Fortschritt. „Zumindest scheint der Wille da zu sein, die Sache einmal zu überdenken und sich mit den Tatsachen auseinander zu setzen“, sagt sie. Und das sei schon mehr, als sie zu hoffen gewagt hatte. Hoffnung ist wohl auch das Einzige, was ihr nach ihrer etwas misslungenen Premiere im Profigolf bleibt.

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