Sport : Schwierige Stellensuche

Weil in der NHL nicht mehr gespielt wird, sollen die arbeitslosen Eishockey-Profis nach Europa gehen

Claus Vetter

Berlin - Es wurde viel geredet in den vergangenen Tagen. Erst in einem Konferenzraum auf dem Flughafen von Chicago, dann wurde in Toronto getagt und am Ende führten alle Diskussionen zu einem Ergebnis, dass an sich so keiner wollte: In der National Hockey-League (NHL) wird diese Saison nicht gespielt werden. Die Trophäe in der besten Eishockey-Liga der Welt, der Stanley-Cup, wird erstmals seit 1919 nicht vergeben.

Seinerzeit konnte die Finalserie zwischen Seattle und Montreal wegen einer Grippeepidemie nicht ausgespielt werden. Derartiges wäre heutzutage undenkbar. Dafür war 1919 der Grund undenkbar, der diesmal den Kampf um den Stanley-Cup unmöglich macht: Streitpunkt zwischen Spielergewerkschaft und Klubbesitzern der NHL ist allein das Geld. Die Eigner der 30 Vereine wollten eine Lohnbegrenzung für jedes Team, den „Salary Cap“, durchsetzen. Demzufolge hätten viele der gut bezahlten Stars in der NHL auf viel Geld verzichten müssen. Die Fronten auf beiden Seiten sind derart verhärtet, dass sich eine Absage der kompletten Saison nicht verhindern lässt. Vincent Damphousse, Vizepräsident der Spielergewerkschaft, rechnet nicht damit, dass bis zum Starttermin der neuen Saison im Oktober Bewegung in die Verhandlungen kommt. Er empfahl allen Spielern, die in Nordamerika noch auf einen Anfang der NHL-Saison gewartet haben, sich einen Job in Europa zu suchen. Seit dem Herbst sind bereits 350 NHL-Profis nach Europa gewechselt.Dort sind die Stellen für arbeitssuchende Eishockey-Profis schon dadurch begrenzt. Und in vielen Ländern schließen die Transferlisten am 31. Januar. Das allerdings könnte ein Vorteil für die Klubs der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) sein, dort können noch bis Mitte Februar Spieler verpflichtet werden. „Insofern werden die Preise für Profis aus der NHL im Februar fallen“, sagt Peter John Lee, Manager der Berliner Eisbären.

Die Eisbären haben noch zwei Stellen für ausländische Spieler frei: Wenn sie es schaffen, die angedachte Verpflichtung des deutschen Nationaltorhüters Olaf Kölzig zu verwirklichen, könnten sie sich sogar mit drei NHL-Spielern verstärken. Von diesem Modell hält Lee allerdings nichts. „Ein Torwart aus der NHL ist denkbar für uns, aber drei neue Spieler wären zu viel“, sagt er. „Das bringt nur Unruhe ins Team.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben