Sport : Schwieriger springen

Die Deutschen sind trotz vieler Probleme auch von Brett und Turm erfolgreich

Frank Bachner[Budapest]

Im dritten Sprung hatten sie kleine Wackler, das kostete sie zwischenzeitlich die Führung. Nichts Dramatisches, am Ende hatten Annett Gamm aus Dresden und Nora Subschinski aus Berlin 19 Punkte Vorsprung auf die Russinnen Natalia Goncharowa und Julia Koltunowa. „Es ist ein Wahnsinn“, sagte Annett Gamm, und sie meinte beides. Die Goldmedaille, die sie mit Subschinski bei der Schwimm- EM in Budapest im Synchronspringen vom Turm gewonnen hat, und ihren großen Vorsprung. Die Deutschen verteidigten damit ihren Titel.

„Wahnsinn“ sagt Lutz Buschkow natürlich nicht. Die EM ist schließlich noch nicht zu Ende, und der Cheftrainer der deutschen Kunst- und Turmspringer will insgesamt mindestens sieben Medaillen. Fünf hat er bis Samstagnachmittag (das Drei-Meter-Finale der Frauen war bei Redaktionsschluss noch nicht beendet). Das Duo Tobias Schellenberg/Andreas Wels hatte zuvor schon Gold (drei Meter, Synchron), Heiko Meyer/Sascha Klein Silber (Turm, Synchron), Ditte Kotzian Silber (ein Meter) und Christin Steuer (Turm) Bronze geholt.

Und Schellenberg/Wels siegten unter erschwerten Bedingungen. Der 27-jährige Schellenberg hatte sich in Budapest einen Infekt geholt, litt unter Ohrenproblemen und hatte Gleichgewichtsstörungen. Mit diesen Problemen freilich begründete er seinen verpatzten Auftakt vom Ein-Meter-Brett nicht. „Das kann und darf keine Ausrede sein“, sagte er. „Beim Einspringen lief ja alles noch gut.“ Schellenberg verpasste aber das Finale.

Beim Drei-Meter-Einzelspringen musste Schellenberg den Wettkampf dann abbrechen, Andreas Wels war hier sogar erst gar nicht angetreten. Er hatte eine Nasennebenhöhlenentzündung und die ganze Nacht nicht geschlafen. Medikamente schlugen nicht an. „Es darf in Zukunft nicht mehr passieren, dass die Athleten sich bei einem Wettkampf Erkältungen holen. Da müssen wir uns mehr disziplinieren“, sagt Team-Manager Walter Alt. Die Deutschen trainieren das ganze Jahr in der Halle, „das Springen im Freien sind sie nicht so gewohnt“. Trotzdem: „Schellenberg und Wels haben kämpferisch eine sehr starke Leistung geboten“, sagt Alt.

Das gilt auch für Christin Steuer. Schließlich hatte sie sich ursprünglich gar nicht für die EM qualifiziert. Ihre Leistungen waren einfach zu schlecht. Aber nach der Deutschen Meisterschaft hatte sie ein ernstes Gespräch mit Chefcoach Buschkow. Und der Trainer registrierte danach sehr genau, dass sie sich im Training enorm steigerte. Also nominierte er sie nach. „Sie hätte sogar Europameisterin werden können“, sagt Alt.

Das Silber von Ditte Kotzian kam weniger überraschend. Sie hatte schließlich schon im Weltcup den fünften Platz erreicht. Die Spezialistin vom Drei-Meter-Brett gewann erstmals bei einem Großereignis eine Medaille vom Ein-Meter-Brett.

Alts Probleme liegen derzeit denn auch weniger im sportlichen Bereich. Geld fehlt, das ist sein Hauptproblem. In Athen, bei den Olympischen Spielen 2004, enttäuschten die deutschen Springer, die staatlichen Fördergelder wurden deshalb bis 2008 um 240 000 Euro gekürzt. 2005 und in diesem Jahr hat der Team-Manager die Lücke noch mit eigenen Sponsoren und Geld vom Verband ausgleichen können, aber 2007 und 2008 droht „ein Minus im Etat“. Eigentlich müsste er deshalb den kostspieligen Lehrgang in Sydney, direkt vor der WM 2007 in Melbourne, streichen, aber das macht er nicht. „Ohne solche Maßnahmen haben wir bei der WM überhaupt keine Chance.“ Ein wenig Hoffnung hat er noch: „Der Deutsche Schwimm-Verband hat uns für 2007 mehr Mittel zugesagt.“

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