Sport : Schwieriger Weg zurück Ex-Bundestrainer Steiert will in Russland aufhören

Benedikt Voigt

Oberstdorf - Eines hat dem Skisprungtrainer Wolfgang Steiert besonders wehgetan: Als der Deutsche Skiverband (DSV) unlängst mit einem Festakt sein 100-jähriges Bestehen feierte, lag in seinem Briefkasten keine Einladung. „Der Kontakt ist nicht so, wie man ihn sich vorstellt, wenn man zehn Jahre lang im DSV erfolgreiche Arbeit geleistet hat“, sagt der einstige Heimtrainer von Martin Schmitt und Sven Hannawald. Zu seinem alten Verband wird sein Weg offenbar so schnell nicht zurückführen.

Gegenwärtig trainiert Wolfgang Steiert die russischen Skispringer, doch seinen auslaufenden Vertrag dürfte er nach dieser Saison nicht verlängern. „Ich sehe mir dieses Jahr noch an, danach bin ich offen für alles“, sagte Steiert am Rande des Auftaktspringens der Vierschanzentournee in Oberstdorf. Er könne sich gut eine andere Aufgabe vorstellen. Welche das ein könnte, wollte er nicht öffentlich äußern. „Das würde für zu viel Aufruhr sorgen“, sagt er.

Beim russischen Verband feiert er immer wieder kleinere Erfolge. Sein bester Springer, Dimitri Wassiliew, flog beim ersten Springen der Vierschanzentournee in Oberstdorf im zweiten Durchgang zur größten Weite des Abends: 134,5 Meter. Insgesamt belegte er Rang elf. Die Nachwuchsspringer Denis Kornilew und Dimitri Ipatow scheiterten jedoch bereits in der Qualifikation. „Das russische Team war immer nur der Wassiliew“, sagt Wolfgang Steiert. Mit Weltcupsiegen, wie sie Hannawald und Schmitt serienweise erreicht haben, hat der beste russische Springer nichts zu tun. „In Russland muss man kleinere Brötchen backen“, sagt Steiert. Er konnte vor allem mit seinem Know-How und seinen Kontakten helfen.

Im Oktober 2004 ist Wolfgang Steiert überraschend als Bundestrainer des Deutschen Skiverbandes entlassen worden. Der Verband warf ihm chaotische und erfolglose Arbeit vor. „Der Rauswurf kam zum falschen Zeitpunkt“, sagt Steiert, „aber inzwischen bin ich auch froh darüber, so habe ich auch etwas anderes gesehen“. Er kennt nun die Sprungschanzen im Ural und in Sibirien. „Die sind aber technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand.“

Mit den Olympischen Spielen in Turin wartet noch ein Höhepunkt auf ihn. Ein Platz unter den ersten sechs im Mannschaftsspringen wäre ein Erfolg, sagt Steiert. Seine Funktionäre sehen das anders. „Die Russen wünschen sich eine Medaille“, sagt Steiert, „aber das ist zum jetzigen Zeitpunkt utopisch“. Womöglich ein Grund mehr, sich nach einer anderen Aufgabe umzusehen.

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