Sport : Schwimm-EM: Die deutschen Wasserspringer überzeugten bei den falschen Disziplinen

Deutschlands Schwimmer sind noch nicht fit für Olympia und müssen zwei Monate vor dem Kräftemessen mit den Besten der Welt in Sydney noch viel arbeiten. Verkorkste Wenden, Disqualifikationen, vorzeitige Abreisen, nur ein zusätzlicher Olympia-Starter, Platz eins in Europa kampflos an Russland abgegeben und ein paar Medaillen gewonnen: Außer Spesen nicht viel gewesen. Helsinki war die EM zum Vergessen. Mit Blick auf das Leistungshoch bei den "Deutschen" mit Olympia-Qualifikation vor drei Wochen in Berlin mahnte Teamchef Winfried Leopold: "Wer glaubt, sich auf den Meisterschafts-Ergebnissen ausruhen zu können, macht den entscheidenden Fehler." Die "ungeliebte EM" war ein kalkulierter Nicht-Erfolg. Jetzt muss wieder geackert werden.

Der Abschied hatte Licht und Schatten. Thomas Rupprath gewann hinter dem neuen Europarekordler Lars Frölander (Schweden/52,23) überraschend Silber über 100 m Schmetterling, die deutsche 4 x 200-m- Freistil-Staffel mit Michael Kiedel (Sindelfingen), Christian Keller (Essen), Stefan Herbst (Leutzsch) und Stefan Pohl (Halle) musste sich als Titelverteidiger nur Italien geschlagen geben. Rupprath: "Ich bin super zufrieden." Die wenigen deutschen Glanzpunkte bei den "EM zum falschen Zeitpunkt" setzten Theloke mit Gold und Europarekord über 50 m Rücken, Warnecke mit Gold über 50 m Brust und die Berlinerin Sylvia Gerasch, die mit 31 als Schwimm-"Oma" mit Silber und Bronze über 100 und 50 m Brust zur erfolgreichsten Schwimmerin des deutschen Teams avancierte. Nach den Disqualifikationen der Titelverteidiger Ralf Braun (Berlin) und Sandra Völker (Hamburg - spontan abgereist) wegen falscher Wenden besteht dringender Klärungsbedarf: Welche Regel-Interpretation gilt bei Olympia?

Die Lagen-Staffel der Männer blamierte sich am Sonntag mit dem Vorlauf-K.o. als Zehnte, die Leistungsträger Mark Warnecke (Essen) und Stev Theloke (Chemnitz) waren schon abgereist. Bundestrainer Manfred Thiesmann war entsetzt: "Das schlägt mir am frühen Morgen schwer auf den Magen. Alle sind mindestens eine halbe Sekunde unter ihren Möglichkeiten geblieben."

Die nichtolympischen Langstrecklerinnen und die Springer schönten die Gesamtbilanz mit sieben Gold-, zehn Silber- und zwei Bronzemedaillen vor dem letzten Finalabschnitt. Die Schwimmer, vor einem Jahr in Istanbul (10-7-5) erfolgreichste Mannschaft, hatten mit zwei Mal Gold, sechs Mal Silber und zwei Mal Bronze nicht viel zu bestellen. Die Spring-Bilanz von Istanbul (1-5-3) war trotz des Verletzungs-Ausfalls von Olympia-Hoffnung Jan Hempel schon vor den letzten Entscheidungen mit drei Mal Gold und fünf Mal Silber weit überboten. "Es schmerzt uns sehr, dass im Januar in zwei von vier Disziplinen die Qualifikation im Synchronspringen verpasst wurde", meinte Bundestrainerin Ursula Klinger (Aachen). Besonders hart trifft dies Andreas Wels (Halle/Saale) und Tobias Schellenberg (Leipzig). Das neu zusammengestellte Paar siegte vom Drei-Meter-Brett nach nur drei Monaten gemeinsamen Trainings mit einer sensationellen Punktzahl, die in Sydney eine Medaille garantiert hätte. "Weltweit war bisher nur eine chinesische Kombination besser", so Klinger. Die Turm-"Synchros" Ute Wetzig (Leipzig) und Anke Piper (Berlin) ließen bei ihrem zweiten EM-Triumph nach 1997 die für Olympia qualifizierte Konkurrenz hinter sich. Auch Europameister Alexander Mesch (Rostock) ist in Australien nicht dabei. Der Wettbewerb vom Ein-Meter-Brett gehört nicht zum Olympia-Programm.

In Sydney wird es für die Wasserspringer kaum möglich sein, an die Erfolge von Helsinki anzuknüpfen. "Wenn wir dort überhaupt eine Medaille gewinnen, müssen wir schon froh sein", sagte Teamleiter Walter Alt (Hattersheim). Am aussichtsreichsten erscheint Dörte Lindner. Nach einem Muskelfaserriss in der linken Wade sprang die Rostockerin vom "Dreier" zu Silber und verkündete: "In Sydney will ich Edelmetall."

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