Schwimm-EM in Berlin : Berliner Velodrom nur bedingt einsatzbereit

Das Schwimmbecken im Velodrom ist neu und muss sich schon mit Vorwürfen auseinandersetzen. Bei aller Aufhübschung hinkt die Präsentation der Wettkämpfe in der Halle ein wenig hinterher.

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Sieben-Tagen-Schwimmen. Das von der Radrennbahn umrahmte Becken.
Sieben-Tagen-Schwimmen. Das von der Radrennbahn umrahmte Becken.Foto: dpa

Kaum sind die Schwimmer aus dem Wasser, wird schon weiter gearbeitet. In der Wettkampfpause nach den Vorläufen gründeln Taucher auf dem Boden des Beckens umher, um die Einstellungen der Unterwasserkameras zu perfektionieren. An Land sind fleißige Damen mit Staubsaugern unterwegs, kein Staubkorn auf dem grauen Teppich rund um das Becken darf das Auge stören. Das vom Radstadion zur Schwimm-Arena umfunktionierte Velodrom soll bei der EM glänzen, strahlen, beeindrucken.

Für diese Kulisse hat der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) keine Kosten gescheut – und sogar auf den Heimvorteil in der benachbarten Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) verzichtet, die DSV-Präsidentin Christa Thiel liebevoll „unsere Badewanne nennt“. Das temporäre EM-Becken im Velodrom hingegen ist erst in den vergangenen Wochen entstanden. Kein Athlet, auch kein deutscher, hatte mehr als zwei Tage Zeit, um sich an die Bedingungen zu gewöhnen. Dabei sind die meisten Schwimmer alles andere als tolerant, wenn es um ihren Arbeitsplatz geht. Schon minimale Temperaturunterschiede sorgen bisweilen für Beschwerden. In Berlin haderten einige nun mit den angeblich wackligen Startblöcken und den zu glatten Wänden, die einen Start beim Rückenschwimmen erschweren. Am ersten Wettkampftag zeigten sich aber zumindest die deutschen Sportler zufrieden. „Die haben hier über Nacht die Wände angeraut, die waren die ersten beiden Trainingstage sehr rutschig“, sagte Rückenschwimmerin Jenny Mensing. Auch Schmetterling-Spezialist Steffen Deibler fand Gefallen an der EM-Arena: „Ich find’s cool, gefällt mir gut. Ich fühl mich wohl.“

Die letzten vier Finalabende von Donnerstag bis Sonntag sind ausverkauft

Die letzten vier Finalabende von Donnerstag bis Sonntag sind ausverkauft, auch am Montagabend ist die Halle gut besucht. Immer, wenn deutsche Schwimmer am Start sind, steigt der Lautstärkepegel. Diese Unterstützung soll die ungewohnte Umgebung für die Gastgeber wettmachen. „Der Heimvorteil geht in die Richtung, dass wir viel Publikum hinter uns haben“, sagt DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow. „Und dass viele Freunde und Familienmitglieder in die Halle kommen werden.“ Ansonsten ist die Stimmung verhalten, selbst als die Ungarin Katinka Hosszu über 400 Meter Lagen lange auf Weltrekordkurs liegt, will der Funke nicht so recht überspringen. Der Applaus ist eher fachmännisch-freundlich als enthusiastisch.

Bei aller telegenen Aufhübschung hinkt die Präsentation der Wettkämpfe in der Halle ein wenig hinterher. Die für den durchschnittlichen Zuschauer doch eher irrelevanten Kampfrichter bei den Rennen werden genauso mit Namen vorgestellt wie die für das Startsignal zuständigen Offiziellen, auch der Oberschiedsrichter des Abends darf ins Publikum winken. Der Hallensprecher macht Witze auf Kirmesniveau. Auf den Fernsehbildern, die ein wichtiger Grund für den Umzug waren, wird man davon aber ebenso wenig mitbekommen wie von der großen Lücke, die zwischen dem Becken und den Zuschauerrängen klafft. Kaum zu sehen sein werden auch die vielen leeren Plätze an den Stirnseiten des Beckens, die frei bleiben müssen, weil die Sondertribüne für die Athleten und Offiziellen und der große Videoscreen die Sicht blockieren.

Dafür leuchtet das Becken in bezauberndem Blau, der Sound von Musik und Durchsagen ist erstklassig. Und für die Zuschauer ist es die Luft angenehmer als nebenan bei den Wasserspringern in der SSE, wo es drückend und schwülwarm ist. Wie in einer Schwimmhalle eben.

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