Schwimm-Trainer Madsen : "Den inneren Schweinehund überwinden"

Cheftrainer Örjan Madsen hat bei den deutschen Athleten und Trainern eine Änderung des Verhaltens und der Einstellung angemahnt. Er kritisierte die Startabsagen und Entschuldigungen für schwache Leistungen.

Berlin - Der Sportwissenschaftler hat kein Verständnis dafür, dass mehrere Athleten ihre geplanten Starts bei den deutschen Meisterschaften in Berlin kurzfristig absagten. Zudem bemängelt er knapp zwei Wochen nach der WM-Pleite von Melbourne den fehlenden Druck der Nachwuchskräfte. Seine Zwischenbilanz der Berliner Titelkämpfe fiel mager aus: "Das ist nicht zufrieden stellend. Zwei oder drei deutsche Rekorde machen nicht alles gut."

Für Madsen ist "diese Meisterschaft ein Spiegelbild unseres Leistungsstandes. Sie zeigt uns, wie weit und warum wir so weit weg sind von der Weltspitze." "Knallharte Arbeit" sei notwendig, um Einstellung und Verhalten zu ändern. Einige gute Ergebnisse oder sogar Rekorde dürften nicht dazu dienen, grundsätzliche Mängel unter den Tisch zu kehren. Mit Blick auf Olympia 2008 in Peking machte Madsen deutlich: "Man darf sich nicht blenden lassen von einigen guten Ergebnissen. Wir dürfen uns nicht einlullen lassen."

Entschuldigungen "an den Haaren herbeigezogen"

Vor allem will er keine Entschuldigungen gelten lassen für schwache Zeiten. Der Termin der deutschen Meisterschaften direkt im Anschluss an die WM von Melbourne sei allen seit einem Jahr bekannt gewesen. Wer in der Welt vorne mitschwimmen will, müssen seine Leistung jederzeit abrufen können. Er erwarte von allen, dass sie "ihren inneren Schweinehund überwinden und alle Kräfte mobilisieren".

Die vorgetragenen Entschuldigungen seien "zum Teil an den Haaren herbeigezogen". Madsen: "Es hat mit Einstellung zu tun und mit Verhalten, mit der Einstellung der Trainer und Athleten." Den Begriff profihaftes Verhalten würden viele mit Geld verbinden. "Aber", so Madsen, "mit Geld hat das gar nichts zu tun."

Madsen fehlt in Berlin vor allem der Biss der Nachwuchskräfte. "Es sind zu wenige, die einen Schritt nach vorne machen", sagte er. "Es sind zu wenige, die nach vorne drängen." (Von Richard Janssen, dpa)

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