Schwimm-Weltcup in Berlin : Weltrekord zum Warmwerden

Paul Biedermann bricht in Berlin die 400-Meter-Bestmarke, am Sonntag schwimmt er gegen den 14-maligen Olympiasieger Michael Phelps.

Frank Bachner
Triumphator über 200m Freistil: Paul Biedermann
Die Hände zum Himmel. Pual Biedermann freut sich.Foto: dpa

Berlin - Der Hallensprecher übertönte die jubelnde Menge, aber nur, weil er in ein Mikrofon brüllen konnte. „Das wird Weltrekord“, schrie er, und das Publikum antwortete mit noch größerem Jubel. Das wird Weltrekord, das konnte jeder in der Schwimmhalle in Berlin-Hohenschönhausen sehen. Paul Biedermann pflügte so schnell durchs Wasser, er lag so klar unter der alten Weltrekordzeit, dass sein Trainer Frank Embacher sich schon vor dem Anschlag freuen konnte wie ein kleines Kind. Dann patschte Biedermann gegen die Wand, die Uhr blieb nach 400 Metern Freistil bei 3:32,77 Minuten stehen, und damit hatte der 23-Jährige aus Halle an der Saale die alte Bestmarke des Australiers Grant Hackett (3:34,58) deutlich unterboten.

Paul Biedermann hatte für den ersten Höhepunkt des Schwimm-Weltcups in Berlin gesorgt. Sein prominentester Konkurrent Michael Phelps war entgegen einer Ankündigung nicht über 400 Meter Freistil geschwommen. „Ich war heute aufgeregter als bei der WM in Rom“, sagte Biedermann schwer atmend; der knallenge Hightech-Anzug klebte an seinem Körper. In Rom hatte er die 200 Meter Freistil sensationell in Weltrekordzeit gewonnen. Und auf diese Strecke konzentriert er sich auch beim Weltcup. Über 200 Meter Freistil kommt es am heutigen Sonntag zum Duell mit Phelps.

„Ich hatte keine Ahnung, wie ich drauf sein würde“, sagte Biedermann. „Ich dachte, heute wird es richtig schlecht, heute geht gar nichts. Ich bin dicker geworden durch meine Pause und habe eine Dreiviertelstunde gebraucht, um in den Anzug zu kommen.“ Die 400 Meter Freistil hatte Biedermann eigentlich als Vorbereitung auf die 200 Meter betrachtet. Sie waren sein erstes Rennen seit der WM, zudem hatte er gerade erst einen Muskelfaserriss im Oberschenkel auskuriert. Doch die Verletzung spürte er dann nicht mehr. „Sie war ja auch gar nicht schlimm“, verkündete er. Ein paar Tage lang hatte er überlegt, ob er antreten sollte. Aber sein Arzt Mark Warnecke, der frühere Weltklasseschwimmer, hatte ihn gut kuriert.

Der Weltcup in Berlin, im eigenen Land, die Chance, gegen den Superstar Phelps, den 14-maligen Olympiasieger, anzutreten, das alles ließ für ihn nur eine Möglichkeit zu: Er wollte starten. In Berlin geht es am Wochenende ums Prestige, um Positionskämpfe in der Weltspitze. Den Weltrekord als solchen darf man nicht überbewerten. Biedermann ist mit seinem Hightech-Anzug geschwommen, das relativiert die Bestmarke. Ab 1. Januar sind diese Top-Modelle gar nicht mehr erlaubt, deshalb gibt Biedermann auch offen zu: „Dieser Weltrekord ist ohne diesen Anzug nicht zu toppen.“

Das ist ihm auch gar nicht so wichtig. Das Duell mit Phelps, das ist wichtig. „Über 200 Meter Freistil geht die Post ab“, sagt er vergnügt wie ein Kind beim Anblick seiner Weihnachtsgeschenke. Das Rennen am Sonntag wird definitiv spannend. Auch wenn Phelps auf seinen Hightech-Anzug verzichtet. Gestern schwamm er in engen Shorts die 200 Meter Schmetterling, mit Stoppelbart und auf der Bahn acht. Nach 1:52,26 Minuten schlug er an, das reichte für Platz fünf auf seiner Paradestrecke.

Was bedeutet das für das Duell mit Biedermann? Schwer zu sagen. Michael Phelps wird auf jeden Fall dem Deutschen nichts schenken, so viel steht fest. Und der will nichts geschenkt bekommen. Dass der US-Amerikaner auf seinen Anzug verzichtet, kümmert Biedermann nicht: „Wenn Michael aus der Reihe scheren möchte, bitte, soll er machen.“ Er hätte ihm das auch selber sagen können. Aber so läuft das nicht zwischen den beiden. Geredet haben sie gestern nicht miteinander. „Wir sind Gegner“, erklärte Biedermann grinsend, „da redet man nicht so viel.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben