Schwimm-Weltmeister Marco Koch : "Außer Fußball haben es alle schwer"

Marco Koch, Deutschlands aktuell erfolgreichster Schwimmer, spricht zum Start der deutschen Meisterschaften in Berlin über die Schwierigkeit, wahrgenommen zu werden.

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Marco Koch, 25, gewann im vergangenen Jahr in Berlin den Europameistertitel über 200 Meter Brust. Auf dieser Strecke ist er auch Vizeweltmeister.
Marco Koch, 25, gewann im vergangenen Jahr in Berlin den Europameistertitel über 200 Meter Brust. Auf dieser Strecke ist er auch...Foto: Imago/Annegret Hilse

Herr Koch, was hatten Sie heute zum Frühstück?

Gar nichts. Ich musste gleich morgens zum Zahnarzt. Meine erste Mahlzeit war das Mittagessen.

Während der EM im vergangenen Jahr gab es bei Ihnen zum Frühstück Reiswaffeln mit Erdnussbutter. Sie hatten Ihre Ernährung umgestellt und sich fast komplett vegan ernährt. Sind Sie dabei geblieben?

Ich habe eine Darmsanierung gemacht und lange Zeit viele Nahrungsmittel komplett weggelassen. Dadurch haben sich meine Unverträglichkeiten und Allergien verbessert. Ich kann jetzt wieder Obst essen und auch andere Lebensmittel wieder einführen. Ich bin nicht mehr so eingeschränkt wie ganz am Anfang.

Sie schrecken nicht davor zurück, Ihr Leben umzustellen, wenn es Ihren Leistungen im Schwimmbecken hilft. Was haben Sie zuletzt versucht?

Ich habe vor der Kurzbahn-WM im vergangenen Herbst ein Höhentrainingslager ausprobiert. Das hat nicht so gut geklappt. Ich konnte in der Höhe nicht so schnell schwimmen, das hat mir in der Wettkampfvorbereitung nichts gebracht.

An diesem Donnerstag beginnen die deutschen Meisterschaften in Berlin, im Sommer findet die WM in Kasan statt. Wie gut sind Sie in Form?

Ganz gut. Ich kann über 200 Meter Brust aus dem Training heraus immer eine Zeit von 2:10 Minuten schwimmen. Auf die deutschen Meisterschaften habe ich mich mit meinem Trainer nicht gezielt vorbereitet. Zusammen mit Paul Biedermann und Steffen Deibler bin ich für die WM vornominiert, wir müssen uns also nicht qualifizieren. Es gibt keinen Grund, in Berlin alle Karten auf den Tisch zu legen. Das Ziel ist die WM.

Sie haben bei der WM 2013 als einziger deutscher Beckenschwimmer eine Medaille geholt. Bei der EM 2014 sind sie als einziger Deutscher Europameister auf einer Einzelstrecke geworden. Wachsen Sie als aktuell erfolgreichster deutscher Schwimmer immer mehr in die Rolle des Anführers hinein, in der Sie auch Biedermann inzwischen sieht?

Ich sehe mich nicht als Anführer. Ich versuche aber jedem, der eine Frage hat, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Aber sportlich tragen Sie immer mehr Verantwortung. Schließlich sind Sie derjenige, der zuletzt die Medaillen geholt hat.

Natürlich hoffe ich, dass es andere motiviert, wenn es bei mir gut läuft. Dass andere ein Quäntchen mehr rausdrücken können und ihre Bestleistung abrufen können – das würde mich freuen.

Haben Sie es als Brustschwimmer schwieriger, von der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden als Freistilschwimmer wie Biedermann, die eher im Rampenlicht stehen?

Noch mehr Aufmerksamkeit und noch mehr Druck von außen brauche ich gar nicht. Ich bin zufrieden damit, wie es zurzeit läuft. Außerdem passiert gerade sehr viel im Brustschwimmen. Es gibt eine große Dichte in der Spitze, viele Leute können unter 2:08 Minuten schwimmen.

Sie selbst definieren sich viel stärker über Zeiten als über Titel. Bei der Europameisterschaft waren Ihnen die persönliche Bestleistung und der deutsche Rekord wichtiger als der EM-Titel. Was haben Sie sich in dieser Hinsicht für 2015 vorgenommen?

Am besten schneller zu schwimmen als letztes Jahr. Ich versuche, nicht mit Medaillen zu planen. Da spielen so viele Faktoren mit, die ich nicht beeinflussen kann. Ich möchte nur bei mir bleiben. Es wäre super, wenn ich meinen deutschen Rekord noch einmal verbessern könnte.

Aber Sie schauen sicher schon, wo Sie sich mit einer solchen Zeit unter dem Rekord von 2:07,47 Minuten in der Weltspitze einordnen würden.

Ich liege damit ja nicht mal eine halbe Sekunde über dem Weltrekord. Wenn ich also schneller werde, könnte ich noch weiter nach vorne kommen. Aber ich achte nicht darauf, was die anderen machen.

Im deutschen Schwimmen bleiben Sie ein Einzelkämpfer, fernab der Stützpunkte und der anderen Spitzenathleten.

Ich bin die meiste Zeit zu Hause, 90 Prozent der Zeit trainiere ich in Darmstadt. Ich bin am liebsten in meiner gewohnten Umgebung, wo ich mich wohlfühle.

Auch wirtschaftlich soll Ihnen Ihre Heimat Darmstadt mit einem lokalen Sponsoringprojekt helfen. Wie funktioniert das?

Die Idee war, regionale Geldgeber zu finden, die mich auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Rio unterstützen, damit ich mich optimal vorbereiten kann. Wir haben sogar eine Sportmanagement-Studentin beschäftigt, die viele Unternehmen angeschrieben hat. Leider ist die Resonanz der Firmen hier eher gering. Es gibt natürlich Einzelpersonen, die mir sehr stark helfen. Aber die große Resonanz ist ausgeblieben. Im Endeffekt ist relativ wenig passiert.

Wäre es vielleicht einfacher, wenn Sie Kraulschwimmer wären?

Ich glaube, momentan hat es jede Sportart außer Fußball schwer. Ich wäre bestimmt nicht bekannter, wenn ich einen anderen Stil schwimmen würde.

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