Schwimm-Weltrekord : Formel 1 im Wasser

Frank Bachner erklärt, warum Britta Steffens Weltrekord entwertet ist und warum der Schwimmsport immer mehr an die Verhältnisse in der Formel 1 erinnert.

Frank Bachner

Es ehrt Britta Steffen, dass ihr alberne Spielchen zu blöd sind. Klar hätte die Weltklasse-Schwimmerin ihren Weltrekord als Superleistung präsentieren können, aber das Urteil aller Fachleute in der Halle hätte sie schnell eingeholt. Also sagte sie gleich selber, dass ihr Anzug entscheidenden Anteil an dem neuen Rekord hatte. Und dass sie, als exzellente Technikerin im Wasser, die gestiegene Bedeutung der Materialfrage kritisch sieht. Das kann man beklagen, ändern kann man es nicht.

Schwimmen war eine der letzten Sportarten, in denen beim Material noch enormes Verbesserungspotenzial schlummerte. Nun wird es ausgeschöpft, doch der Schwimm-Weltverband Fina war auf diese Entwicklung nicht eingerichtet. Die Grenzen zwischen unerlaubten Tricks und regelgerechtem Material verschwammen. Erst im März 2009 formulierte der Verband die Regeln klarer, was richtig und gut war. Falsch war freilich, neue Regeln und Anzüge nur schrittweise einzuführen. So kommt es nun zu der absurden Situation, dass Britta Steffens neuer Wunderanzug im nächsten Jahr verboten sein wird. Das ist das Schlimmste, was dem Schwimmen passieren kann: Denn nun ist Britta Steffens Weltrekord entwertet.

Es ist ein Materialweltrekord, aufgestellt mit einem bestimmten Anzug zu einer bestimmten Zeit. Das Schwimmen nähert sich damit eher der Formel 1 an, wo Zeiten nicht als Weltrekorde gelten können, weil Strecken und Autos nicht miteinander verglichen werden können. Nun gibt auch das Schwimmen etwas von seiner Vergleichbarkeit auf. Das bedauert nicht nur Britta Steffen.

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