Sport : Schwimm-WM: Chaos und Proteste am Beckenrand

Ein Skandal-Tag mit chaotischem Streit um die Frauen-Staffel hat die Schwimm-Weltmeisterschaften in Fukuoka in Misskredit gebracht. Erfreulich aus deutscher Sicht: Es gab gestern zweimal Silber und einmal Bronze. Thomas Rupprath wurde Zweiter über 50 m Rücken, Katrin Meißner drehte 13 Jahre nach ihrem Staffel-Olympiasieg in Seoul über 100 m Freistil als Sensations-Zweite hinter der niederländischen Weltrekordlerin Inge de Bruijn die Zeit zurück. Sandra Völker kehrte 24 Stunden nach ihrem Rücken-Debakel mit Bronze in die Medaillenspur zurück. Für die 4 x 200-m-Freistilstaffel der Frauen ist als Titelverteidiger nach einer Protestwelle von Platz vier bis zwei noch alles drin.

Silvia Szalai, Sarah Harstick, Hannah Stockbauer und Meike Freitag waren nach der Disqualifikation von Australien (Formfehler) und den USA (Frühstart) von Platz vier auf Platz zwei geklettert. Proteste und Gegenproteste jagten sich. Die Amerikanerinnen waren plötzlich wieder als Siegerinnen mit im Spiel. Schließlich wurde durch den Schwimmweltverband Fina die Medaillenvergabe auf Donnerstag vertagt. Mit sicheren zwei Gold-, vier Silber- und drei Bronzemedaillen haben die deutschen Schwimmer ihr WM-Soll dennoch schon zur Halbzeit erfüllt. Cheftrainer Ralf Beckmann: "Wir liegen bereits jetzt über unseren auch noch so kühnsten Hoffnungen."

Sandra Völker suchte nach ihrem Debakel über 50 m Rücken den Befreiungsschlag im Wasser: "Ich habe mich zum Vergessen gezwungen." Die Nacht war unerträglich lang: "Schlafen ging nicht." Am Tag danach stellte sie fest: "So gerädert war ich in meinem ganzen Leben noch nicht. Ich hatte Schmerzen im Nacken, wegen des engen Anzugs, aber auch wegen der psychischen Belastung." Über 100 m Freistil musste sich die gefrustete Hamburgerin erst wieder frei schwimmen. Am Ende gab es die Bronzemedaille. Mehr war nicht drin. Ihre Gratulation gehörte Katrin Meißner: "Mit der Katrin habe ich auf alle Fälle gerechnet. Super, ich freue mich für sie." Die 28-jährige Luftverkehrskauffrau war baff: "Ich habe selbst nicht mehr damit gerechnet, dass ich bei einem so großen Wettbewerb noch mal vorn mitschwimme." Schneller als sie war nur Inge de Bruijn.

Thomas Rupprath entschied sich für den Doppelstart und damit für volles Risiko. "Die 100 Schmetterling sind meine Hauptstrecke, darauf habe ich mich vorbereitet." Das mit den 50 m Rücken habe sich einfach so ergeben. Das Resultat: Als Dreizehnter verpasste er zunächst das Finale auf seiner Lieblingsstrecke, danach holte er hinter dem Amerikaner Randall Bal Silber über 50 m Rücken.

Seine eigene Weltmeisterschaft schwimmt Australiens Superstar Ian Thorpe, der über 200 Meter Freistil im Duell der Giganten mit dem Niederländer Pieter van den Hoogenband in 1:44,06 mit Weltrekord zur vierten von sieben geplanten Goldmedaillen schwamm. Zehn Monate hatte Thorpe auf die erfolgreiche Revanche für die bittere Niederlage bei den Olympischen Spielen in Sydney warten müssen. Die Führung überließ er van den Hoogenband nur zwischendurch, am Ende zog er unter dem Jubel der 10 000 Besucher mit seinem unwiderstehlichen Spurt auf und davon.

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