Schwimm-WM : Dara Torres: In biblischer Mission

Die Olympia-Zweite Dara Torres ist 42 und will Gold bei der Schwimm-WM – ein Mythos ist sie bereits.

Frank Bachner
Torres
Zeit für Revanche. Die US-Amerikanerin Dara Torres will Britta Steffen über 50 Meter Freistil bezwingen. -Foto: dpa

Berlin - Diesmal konnte sie ihre Knie nicht mehr schonen, nicht im Halbfinale. Im Vorlauf, da war das noch gegangen. Vorlauf, so etwas betrachtet Dara Torres als Pflichtübung. Aber im Halbfinale über 50 Meter Freistil bei der Schwimm-WM, da konnte Dara Torres nicht mehr taktieren. Als Achte qualifizierte sie sich gestern gerade so fürs heutige Finale. Und heute werden die Schmerzen noch größer, da muss sie an ihre absolute Grenze. Arthrose haben die Ärzte diagnostiziert, wegen der Arthrose kann sie keinen optimalen Beinschlag machen.

Es liegt am Alter. Dara Torres aus Los Angeles ist 42 Jahre alt. Schwer zu sagen, welchen Bereich sie effektvoller bedient: die Statistik oder den Mythos. Dara Torres ist die älteste Schwimmerin in Rom, sie hat bei fünf olympischen Spielen zwölf Medaillen geholt und mit 14 ihren ersten Weltrekord aufgestellt, sie ist dreimal zurückgetreten. Das sind die Zahlen.

Dara Torres wäre 2008 fast Olympiasiegerin über 50 Meter Freistil geworden, als 41-Jährige. Nur eine Hundertstelsekunde war Britta Steffen schneller. Torres ist die älteste Schwimmerin, die je eine Olympia-Medaille gewonnen hat. Das ist der Mythos.

Torres will Revanche, das treibt sie an. Sie stört sich an dem Gefühl, dass ein Wimpernschlag ihren letzten Triumph verhinderte. Sie will Gold, als schwimmende Oma. Aber es wird hart, vielleicht reicht’s nicht mal für eine Medaille.

Mit 25 trat sie zum ersten Mal zurück. „Ich bin im biblischen Alter“, sagte sie damals.

Und jetzt? „Jetzt ist sie eigentlich jenseits der Grenze“, sagt Michael Lohberg, der Trainer.

In den USA wird Torres, der Mythos, vermarktet. Die 42-Jährige tritt in Talkshows auf, hält Reden und hat ein Buch geschrieben. „Ich will beweisen, dass man auch im Alter noch sehr gut schwimmen kann“, sagt sie. Für Fans und Medien ist Torres ein vollendetes Gesamtkunstwerk. Früher schon eine Schönheit und ein Sportstar, jetzt noch ein Idol für alle, die Angst vorm Älterwerden haben. 1994 schon hob „Sport Illustrated“ die Weltklasseschwimmerin als erste Athletin überhaupt aufs Titelbild der Bademoden-Ausgabe des Magazins.

Aber die Geschichte der Dara Torres ist keine kalkulierte Story. Schließlich war sie in diese Geschichte eher gestolpert. Sie war doch bloß eine hochschwangere 39-Jährige, die wegen ihrer Bauchschmerzen nicht mehr ins Fitnessstudio konnte und stattdessen 2006 wieder in den Pool glitt. Aber sie war halt auch Dara Torres, die Legende vom Schwimmklub in Coral Springs. Dort arbeitet auch der Startrainer Lohberg, und sein Verein richtete ein großes Senioren-Schwimmfest aus. Lohberg brauchte für die Medien ein Zugpferd, er fragte Torres, ob sie nicht auch in drei Wochen ins Wasser wolle. Ein PR-Gag. Der berechnete Geburtstermin von Tochter Tessa stand unmittelbar bevor.

Die 39-Jährige sagte trotzdem zu, und sie schwamm 50 Meter Freistil so gut, dass sie wieder motiviert war. Sie trainierte für die Senioren-WM drei Monate später. Dort gewann sie prompt über 50 Meter Freistil, und ihre Gegnerinnen bestürmten sie: „Du musst zu Olympia, du musst zeigen, dass man auch in unserem Alter noch gut ist.“ Torres sagte: „Mike, was meinst du?“ Warum nicht, antwortete Lohberg. Sie begann professionell zu trainieren, mit vielen Ausdauereinheiten. „So einen Profi wie sie habe ich noch nie gesehen“, sagt Lohberg.

Aber weil Torres’ umfangreiches Stretching-Programm allein kein Gegenargument zu Dopingverdächtigungen ist, schloss sie sich freiwillig dem Kontrollsystem der US-Anti-Dopingagentur an. „Ich wollte alles unternehmen, um einen Verdacht gar nicht erst aufkommen zu lassen“, erzählte sie dem „Spiegel“.

Drei Sponsoren hatten ihr erst mal ihr jüngstes Comeback finanziert. Die Rückkehr in den Sport, schätzt Lohberg, kostete immerhin 100 000 Dollar. Inzwischen hat sie genügend weitere Einnahmen aus ihren Auftritten. Aber wer weiß, wie lange sie noch schwimmt. Wenn es also trotzdem mal eng werden sollte, dann kann ja der Papa einspringen. Dara Torres ist Tochter eines Millionärs.

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