• Schwimm-WM: Der Reiz der Geschwindigkeit. Superstar Ian Thorpe holt den dritten von sieben möglichen Titeln

Sport : Schwimm-WM: Der Reiz der Geschwindigkeit. Superstar Ian Thorpe holt den dritten von sieben möglichen Titeln

Wenn die anderen auf das Wasser eindreschen, greifen Ian Thorpes Hände und Arme das Wasser wie bei einer sanften Umarmung. Wenn die anderen Schwimmer vor dem Start nervös an Kleidungsstücken oder Schwimmbrillen zupfen, sitzt er in sich gekehrt. Und macht sich trotz seiner erst 18 Jahre immer berühmter. Ganz nach seinem eigenen Motto: "Ich glaube nicht, dass irgendetwas unschlagbar oder unmöglich ist."

Nach diesem Motto holt sich der Australier in Fukuoka ein Weltmeisterschafts-Gold nach dem anderen ab. Am Dienstag im dritten Finale das dritte - dazu mit dem zweiten Weltrekord. Das gelang auch dem US-Amerikaner Michael Phelps in 1:54,58 beim Titelgewinn über 200 m Schmetterling. Thorpe schwamm bei der WM-Premiere über 800 m Freistil 7:39,16 Minuten. Noch an der 700-m-Marke hat er einen Rückstand von 19 Hundertstelsekunden auf seinen Landsmann Grant Hackett. Doch im Endspurt war dem Ausnahmesportler mal wieder niemand gewachsen. Auch Hackett bleibt unter der alten Weltrekordmarke und kann später nur feststellen, dass "solche Dinge eben passieren. Ian ist einfach ein Phänomen." Hackett bringt es auf den Punkt.

Wie die Olympischen Spiele in Sydney werden auch die Weltmeisterschaften in Fukuoka zu einem Festival des Ian Thorpe. Der Superstar aus Australien wandelt auf den Spuren von Mark Spitz. Thorpe will in Fukuoka sieben Goldmedaillen gewinnen; ebenso viele Triumphe landete der legendäre US-Amerikaner Mark Spitz 1972 bei Olympia in München.

Mit drei Goldmedaillen und drei Weltrekorden war Thorpe bereits der überragende Schwimmer der Olympischen Spiele 2000 in Sydney, und bei den Weltmeisterschaften scheint er nur noch stärker zu sein. Gleich am ersten Tag schraubte er den Weltrekord über 400 m Freistil, seinen eigenen, auf 3:40,17 Minuten. Danach gewann er mit der 4x100-m-Freistilstaffel. 1998 in Perth war er mit 15 Jahren über 400 m Freistil der jüngste Weltmeister der Geschichte. Niemand, auch der zweimalige Olympiasieger Pieter van den Hoogenband nicht, scheint ihn gefährden zu können.

Und Thorpe selbst? Der wickelt das Halbfinale über 200 m Freistil mal eben in einer Zeit ab, von der andere träumen. Das Giganten-Duell mit seinem olympischen Bezwinger Pieter van den Hoogenband im Kampf um Gold soll nicht durch Unachtsamkeiten wie zu schnelles Schwimmen verhindert werden. "Ich habe versucht, mir das so einfach wie möglich zu machen." Thorpe hält seine Weltrekorde nicht einmal für das Nonplusultra. Warum sollte er sonst weiterschwimmen? Geld hat er genug verdient. Ihn reizt die Geschwindigkeit im Wasser, ihn reizen Rekorde. In Australien ist er längst ein Popstar. "Seit 1998 ist sehr viel passiert", sagt er, "aber ich bin immer noch derselbe geblieben. Und ich mache immer noch die gleichen Dinge, weil sie mir Spaß machen, aber ich will die Dinge eben immer noch ein wenig besser machen."

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