Sport : Schwimm-WM: "Ein Star bin ich nicht"

Hannah Stockbauer ist Gold wert. In der Europarekordzeit von 16:01,02 Minuten holte sich die 19-Jährige aus Erlangen bei den Schwimm-Weltmeisterschaften in Fukuoka nach ihrem Triumph über 800 m und Staffel-Silber auch den erstmals vergebenen Titel über 1500 m Freistil. Die Schülerin konnte es nicht fassen: "Ich weiß auch nicht, was ich sagen soll. Ich bin über mich selbst überrascht und glücklich, dass es so gut gelaufen ist." Die Lagenstaffel mit Steffen Driesen, Jens Kruppa, Thomas Rupprath und dem Berliner Torsten Spanneberg gewann nach der Disqualifikation der USA Silber hinter Australien. Antje Buschschulte (Wuppertal/Uerdingen) holte Bronze über 100 m Rücken. Der Essener Mark Warnecke empfahl sich mit Europarekord (27,59 Sekunden) für den Titelkampf am Sonntag über 50 m Brust.

Hannah Stockbauer schwamm am Ende ein einsames Rekordrennen. Niemand konnte ihr das Wasser reichen. Über ihre Zeit war sie selbst am meisten überrascht: "Die eine Sekunde, die mir im Vorlauf noch zum Rekord gefehlt hat, wollte ich schon herausschwimmen, aber dass es gleich zwölf Sekunden geworden sind, das habe ich selbst nicht gedacht." Ihr Erfolgsrezept: "Ich bin einfach mein Rennen geschwommen." Sieben Jahre, nachdem Franziska van Almsick 1994 in Rom als letzte Deutsche Einzel-Gold bei einer WM gewonnen hatte, feierte die 19 Jahre alte Schülerin aus Erlangen in Japan einen Doppel-Triumph.

"Der große Star bin ich nicht", sagte Hannah Stockbauer. "Ich bin super drauf, aber in unserem Team hier ist keiner dabei, der wirklich enttäuscht hat." Unbeschwert geht sie in die Zukunft, obwohl sie im Hinblick auf die WM 2003 in Barcelona und Olympia 2004 in Athen die ganz große deutsche Hoffnungsträgerin ist. Selbst die Begeisterung von DSV-Cheftrainer Ralf Beckmann war grenzenlos: "Ihre Leistungsteigerung ist eine Sensation, bei aller Zurückhaltung im Umgang mit diesem Wort."

"Die ersten Meter waren die schlimmsten, nach 800 Metern fingen die Bauchschmerzen an, aber ich konnte mich Gott sei Dank absetzen, ohne das Tempo groß zu erhöhen", erzählte Stockbauer ihr Rennen und schwärmte: "In Fukuoka ist alles wie ein Traum. Über 1500 Meter wollte ich Europarekord schwimmen, aber diese Zeit ist traumhaft." Um 12,53 Sekunden unterbot die Fränkin die 17 Jahre alte Bestmarke der Berlinerin Astrid Strauß.

Nach Sydney 2000 hatte die Europameisterin von Istanbul viel Kritik zu hören bekommen - und sie hat sich zur Wehr gesetzt. "In Fukuoka ist alles anders, im Team herrscht Harmonie." Die braucht sie: "Braucht die nicht jeder irgendwie?" Sie versteht sich auch mit dem 36 Jahre alten Senior Sven Lodziewski "ganz toll, obwohl wir eine andere Generation sind. Ich werde mit 36 Jahren jedenfalls nicht mehr schwimmen." Im nächsten Jahr will sie Abitur machen: "Ich hoffe, dass ich Schwimmen und Schule irgendwie unter einen Hut bekomme." Nach der WM geht es erst mal mit Klassenkameradinnen in den Urlaub auf Kreta: "Darauf freue ich mich jetzt am meisten." Über die Zukunft, Profitum, Vermarktungsmöglichkeiten und andere Dinge macht sich Hannah Stockbauer noch wenig Gedanken: "Von großer Popularität merke ich noch nichts", sagt sie: "Wenn jemand etwas von mir will, kann er sich ja melden."

Kurz zuvor konnte Antje Buschschulte ihre Medaillen-Kollektion komplett machen: Gold mit der Staffel, Silber über 50 m Rücken und jetzt Bronze über 100 m Rücken. "Das ist farblich doch sehr schön", sagte die 22 Jahre alte Studentin. "Dass es so gut läuft, hätte ich nicht gedacht", sagte der im Einzel enttäuschende Riesaer Kruppa nach Staffel-Silber. "Ich bin angegangen wie die Feuerwehr", stellte der Wuppertaler Rupprath fest. Der überragende Berliner Schlussmann Spanneberg gab sich bescheiden: "Ich hatte ein bisschen Vorsprung und musste das nur nach Hause schwimmen."

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