Schwimm-WM in Rom : Beendet diese Qualen!

Hohe Wellen beim 25-Kilometer-Rennen der Schwimm-Weltmeisterschaft in Rom: Angela Maurer hoffte nach 20 Kilometern auf einen Abbruch – und holte sich dann den WM-Titel.

Andreas Morbach[Rom]
Schwimmen
Geschafft. man sieht es ihr nicht an, aber Angela Maurer hat das härteste 25-Kilometer-Rennen ihres Lebens hinter sich. -Foto: dpa

Um elf Uhr wartete gestern vor dem Foro Italico der Shuttle-Bus auf die ersten deutschen Goldmedaillengewinner bei dieser Schwimm-WM in Rom. Die hatten unter der sengenden Sonne noch eine Stunde lang ihren Kollegen vom Becken-Bereich zugeschaut, dann hatten sie genug gesehen. Thomas Lurz, der Doppel-Weltmeister über fünf und zehn Kilometer, und Angela Maurer, Siegerin im 25-Kilometer-Rennen, stiegen in den Bus ein. Lutz Buschkow, der Sportdirektor des Deutschen Schwimmverbands (DSV), hatte Maurers Triumph im aufgewühlten Mittelmeer verpasst, er hatte sich um die Wasserspringer gekümmert. Dafür konnte Buschkow dann gestern morgen am Beckenrand gratulieren.

Bei der Gelegenheit konnte er auch dazu gratulieren, dass Maurer schon beim ersten Versuch ihre Hand an das blaue Zielband gebracht hatte, vier Sekunden vor Federica Vitale. In den Wellen des Mittelmeers hatte die 26-Jährige Italienerin zweimal – jeweils vergeblich – versucht, abzuklatschen. Erst der dritte Versuch war erfolgreich. Doch da hatte ihr die Russin Anna Uwarowa, die eigentlich hinter Vitale gelegen hatte, schon Silber weggeschnappt.

Maurer bekam das erst später mit, es war ihr aber auch egal. Die angehende Polizeibeamtin war zwei Tage vor ihrem 34. Geburtstag letztlich froh, dass die Wettkampfrichter das Rennen nicht abgebrochen hatten. Diese Überlegung hatte es wegen der hohen Wellen durchaus gegeben. Und nachdem sich Maurer an den Strand geschleppt hatte, gab sie offen zu, dass ihr diese Überlegung sehr gut ins Konzept gepasst hätte. „Ich hatte gehofft, dass nach 20 Kilometern abgebrochen wird.“ Kein Wunder: „Das waren die härtesten 25 Kilometer, die ich je geschwommen bin“, sagte sie, während starke Windböen ihr Haar zerzausten. Und nicht nur das: Es waren auch die ersten 25 Kilometer, die sie seit ihrem WM-Erfolg 2006 über diese Distanz überhaupt geschwommen ist.

Wegen der Aufnahme der 10-Kilometer-Strecke ins olympische Programm hatte Maurer damals die lange Distanz vorübergehend aus ihrem Programm gestrichen. Mit dem schmerzhaften Ergebnis, dass sie bei der Olympia-Premiere der Langstreckenschwimmer um 1,1 Sekunden an einer Medaille vorbei kraulte. Der Enttäuschung von Peking folgte der Ärger in der Heimat: Im Herbst 2008 überwarf sie sich mit ihrem damaligen Klub, der SG Rheinhessen. Kurz nach Weihnachten wechselte sie zum SSV Undine Mainz.

Den Vereinswechsel machte auch ihr langjähriger Coach Nikolai Evseew mit, Maurers Lebensgefährte und Vater des gemeinsamen Sohns Maxim. Allerdings wurde Evseew erstmal arbeitslos, weil der SSV Undine keinen Trainer bezahlen konnte. Erst nachdem der Verein mit dem Mainzer SV kooperiert hatte, wurde diese Situation beendet, und Evseew erhielt Geld.

Über fünf Kilometer hatte Maurer in Rom noch Platz fünf belegt. Und nun dieser Triumph. Lurz und sie haben damit die DSV-Vorgabe für die Freiwassersparte – drei Medaillen – erfüllt. „Ich bin nicht mehr die Jüngste, ich genieße das jetzt, es ist einfach sehr schön“, sagte die Weltmeisterin.

Ans Aufhören hatte Maurer selbst nach dem bitteren Erlebnis in Peking nie gedacht, sie kann sich inzwischen sogar einen weiteren Start bei den Olympischen Spielen in London vorstellen. Dann wäre sie 37 Jahre alt.

Und dann müsste sie im Atlantik, vor der Küste von England, schwimmen. Und hoffen, dass es nicht mehr solch einen Seegang gibt wie am Samstag. „Ich liebe Hitze und Wellen“, sagte sie zwar. Aber, bitte, alles in Maßen.

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