Schwimm-WM : Lächeln als Botschaft

Rückenschwimmerin Samulski wird auch deshalb Vize-Weltmeisterin, weil sie entspannt auftritt.

Frank Bachner
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Mit breiter Brust. Daniela Samulski gibt sich bei der Schwimm-WM selbstbewusst, aber auch sehr entspannt. Über 50 Meter Rücken...dpa

Berlin - Daniela Samulski lächelte, natürlich. Sie lächelt oft, es ist eine ständige Botschaft der Schwimmerin Samulski. „Ich bin entspannter. Ich nehme den Wettkampf ernst, aber ich bin lockerer, warum auch immer“, sagte sie am Donnerstagabend in Rom. Die 25-Jährige von der SG Essen spürt eine tiefe Zufriedenheit in sich. Das ist die Botschaft.

Warum auch immer? Da gibt es ein paar Antworten. Zum Beispiel den größten Triumph ihrer Karriere. Die Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft in Rom über 50 Meter Rücken. Nur die Chinesin Zhao Jing war schneller, mit 27,06 Sekunden schwamm sie Weltrekord. Aber die 27,23 Sekunden von Samulski sind immerhin Europarekord. Jing will vor den Reportern in Rom auf keinen Fall zugeben, dass sie sich kurz vor dem Start noch in den schnellen Anzug eines anderen Ausrüsters gezwängt hatte. Und während sie also herumstottert, muss Samulski noch mehr lächeln.

Das Lächeln, diese Botschaft, fällt bei ihr auf, weil sie andere Zeiten hatte. 2003 zum Beispiel. Da trainierte sie noch in Berlin, ihrer Heimatstadt, und zerbrach an dem Druck, unter den sie sich mit ihrer sportlichen Klasse gesetzt hatte. Sie schwamm schon starke Zeiten, und der Boulevard taufte die Rücken- und Schmetterling-Spezialistin „Miss Butterfly“. Sie selber lebte zwischen den Extremen. „Entweder ich bin gut geschwommen oder alles war doof.“ Als der Druck zu groß wurde, erkrankte sie an Bulimie. 18 Monate lang bestritt sie keinen Wettkampf, stattdessen hörte sie aufmerksam einer Psychotherapeutin zu. Sie entdeckte die Tiefen eines Lebens, das sie bis dahin nur oberflächlich registriert hatte. Freunde treffen, shoppen.

Erst 2004 spürte sie wieder die Lust am Schwimmen. Aber sie benötigte eine neue Umgebung, um die jüngste Vergangenheit vergessen zu können. Daniela Samulski zog nach Wuppertal, zu Henning Lambertz, dem jungen, einfühlsamen, aber schon hoch respektierten Trainer. Ein Jahr gab sie sich Zeit, um sich als Schwimmerin wieder selber zu entdecken. Ein Jahr, das die Antwort geben sollte auf die Frage: Aufhören oder langfristig weitermachen? Sie machte weiter. Unter Lambertz stieg sie zur Weltklasse-Athletin auf. Samulski wurde Europameisterin mit der 4-x-100-Meter-Freistil-Staffel und gewann diverse deutsche Meistertitel. Und sie folgte Lambertz, als der Leiter des Bundesstützpunkts Essen wurde.

Aber dann kam Peking, Olympia 2008. Samulski enttäuschte, wie so viele im deutschen Team. Sie war enttäuscht, demotiviert, körperlich platt. Die hochsensible Daniela Samulski, die an allem Möglichen zweifelt, war wieder da. Lambertz holte sie da raus. Und Gaby Bußmann arbeitete auch mit ihr, die Psychologin. Bußmann war früher eine sehr gute 400-Meter-Läuferin, sie kann sich in Spitzensportler hineinversetzen. „Genieße einfach die Saison“, sagte sie Samulski.

Natürlich bleibt das ein Spruch, wenn die Klientin ihn nicht mit Leben füllt. Aber weil Samulski in einem sehr teamorientierten Umfeld lebt, hatte sie damit nicht allzu viel Mühe. Kurz vor den Deutschen Meisterschaften verbesserte sie gleich viermal den deutschen Rekord über 50 Meter Rücken, sie steigerte bei den Titelkämpfen in einem notdürftig geflickten Anzug den Weltrekord und stellte im WM-Halbfinale noch eine Weltbestmarke auf. Die hielt zwar nur drei Minuten, bis zum zweiten Halbfinale, aber die 25-Jährige wusste, dass sie im Finale die Chance auf Gold hatte. Es wurde Silber, das genügt Samulski vollkommen.

Sie kann jetzt noch entspannter ihr Studium beginnen, Sozialpädagogik in Berlin. Auf Berlin legte sie Wert. Denn Daniela Samulski hat Heimweh, richtig großes Heimweh nach der Familie und den Freunden. Aber ganz kappt sie die Verbindung zu Lambertz nicht. Sie wird weiter für die SG Essen starten.

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