Sport : Schwimm-WM: Sandra Völker wartet ab und schweigt

Jede Frage ist ab heute sinnlos. Sie antwortet nicht. Oder höchstens mit einem abweisenden Lächeln. Verstehen Sie doch, signalisiert Sandra Völker damit, ich kann jetzt nichts sagen. Ich will auch nichts sagen. Sie könnte natürlich auch noch sagen: Ich bin doch nicht lebensmüde und werfe mich selbst zum Fraß vor. Das sagt sie natürlich nicht. Aber das steckt auch hinter dem Schweigen der Sandra Völker.

Die Weltrekordlerin über 50 m Rücken muss bei der Schwimm-WM in Fukuoka bald in Wasser - am Montag zum ersten Mal beim Vorlauf und Halbfinale über 50 m Rücken. Insgesamt startet sie in zwei Staffeln und über drei Einzelstrecken. Sandra Völker ist im ausgedünnten deutschen Kader die größte Medaillenhoffnung. Aber das war sie schon öfter, damit hat ihre Schweigsamkeit nichts zu tun. Sandra Völker schweigt, weil sie ein paar mal als die große Enttäuschung aus dem Wasser kletterte, in das sie als Medaillenkandidatin gesprungen war. Und weil sie vollmundig klar gemacht hatte, dass sie eine Medaillenhoffnung ist. Und wenn sie sich mal nicht selbst darstellte, sprang ganz bestimmt ihr Trainer Dirk Lange ein. Den hat der Neid auf Franziska van Almsick fast zerfressen, und damit seine Athletin nicht völlig untergeht neben der Medienfigur, musste er Völker halt zur Übergröße trompeten. Leider ging das zum Beispiel auch bei den Olympischen Spielen in Sydney schief. Franziska van Almsick schob sich schwer und geschlagen aus dem Wasser, Sandra Völker hätte die Bühne frei gehabt. Aber dann war sie genauso schlecht. Wieder nur Zweite.

Also mal lieber nicht die Erwartungen der Medien füttern. Die, so sieht sie es, warten doch nur auf die nächste Schlappe. "Ich fühle mich wohl", sagte sie am Donnerstag nur. Ab heute sagt sie gar nichts mehr. Braucht sie auch nicht. Es gibt doch Lange. Der baut schon subtil öffentlich genügend Druck auf. "Das Wesentliche ist, wie sie die letzten drei Tage bis zum Wettkampf überbrückt", sagt Lange. "Ich traue ihr schon zu, ihre Zeiten von den Deutschen Meisterschaften noch zu verbessern. Und damit ist sie schon im Medaillenkampf dabei." Er hat schon mal deutlicher geredet. Die Zurückhaltung ist Taktik, mehr nicht. Aber die nützt ihm nichts. Er ist lange genug dabei, man kennt ihn, man weiß, was er sagen möchte. Er will den großen Triumph. Triumph bedeutet erhöhten Marktwert und mehr Geld. Lange denkt da strategisch. Er hatte ja auch schon durchgesetzt, dass Sandra Völker bei Olympia zum Schluss der 4 x 100-m-Freistil-Staffel schwimmt. Die Staffel sollte Gold holen, und die Schlussschwimmerin wäre dann besonders lange im Bild. Leider wurden die Deutschen dann aber nur Vierte.

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