Sport : Schwimm-WM: Seltsame Zeiten

Manipulation, eine willkürliche Zeitkorrektur und eine nicht korrekt arbeitende Zeitmesslange haben die bisher glanzvolle Schwimm-Weltmeisterschaft von Fukuoka zur Skandal-WM gemacht. Das nachträglich veränderte Vorlauf-Resultat der australischen Männerstaffel über 4 x 200 m Freistil war Auslöser heftiger Diskussionen. Nach mehreren Stunden zog der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) einen Protest zurück. Die Australier wurden nicht disqualifiziert und holten später in Weltrekordzeit Gold.

Der australische Haupt-Schiedsrichter Don Blew hatte nach dem DSV-Protest zugegeben, im Vorlauf eine Wechselzeit der Australier korrigiert zu haben. Nach automatischer Zeitmessung war der Australier Raymond Hass mit minus 0,06 Sekunden abgesprungen, was einen Frühstart bedeutete. Don Blew änderte nach Videoansicht die Wechselzeit auf plus 0,14, was einen Unterschied von zwei Zehntelsekunden ausmacht. Im Schwimmsport sind das Welten. Entstanden war die Differenz durch einen zu weichen Anschlag des zweiten Australiers Antony Matkovich.

"Dem Sport zu Liebe war es die richtige Entscheidung", erklärte DSV-Präsidentin Christa Thiel den Protest-Rückzug. An Hand von neutralen Aufnahmen eines australischen Fernsehsenders habe man sich davon überzeugt, dass "es keinen Frühstart gab". Der DSV wollte verhindern, dass die australischen Schwimmer für eine nicht korrekt arbeitende Zeitmessanlage bestraft werden.

Die Fina ist jetzt in Erklärungsnot. Zwei Tage zuvor hatte sie den Video-Beweis nicht zugelassen und den amerikanischen Protest gegen die Disqualifikation der Frauen-Staffel zurückgewiesen. Mehrere Zeiten mussten korrigiert werden. Da die Australierinnen disqualifiziert wurden, weil sie bei ihrem Jubel über das vermeintliche Gold zu früh ins Wasser sprangen, erhielten die Deutschen, eigentlich auf Platz vier geschwommen, die Silbermedaille. Nach den Problemen mit der Zeitmessung werden nun Spekulationen über die bisherigen Staffel-Resultate laut. Der Südafrikaner Sam Ramsamy, Mitglied des Schwimm-Weltverbandes Fina, hat alle Manipulationsvorwürfe zurückgewiesen: "Wir müssen feststellen, dass das automatische Zeitmess-System Fehler macht, aber das ist ein internationales Phänomen und kein spezielles Problem des Sports." Die erzielten Weltrekorde müssten nicht angezweifelt werden.

Einen Ausfall hatte die Zeitmessanlage auch, als Ian Thorpe über 100 m Freistil nur Vierter wurde und seinen Traum von sieben Titeln aufgeben musste. Weltmeister ist Anthony Ervin (USA) vor dem Holländer Pieter van den Hoogenband, der sich schon als Sieger wähnte. Torsten Spanneberg (Berlin) wurde mit deutschem Rekord Sechster. Der Australier Geoff Huegill legte in 23,44 Sekunden im Halbfinale über 50 m Schmetterling einen Weltrekord vor. Langstrecken-Weltmeisterin Peggy Büchse hingegen schied in den Vorläufen über 1500 m Freistil als 13. aus.

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