Schwimm-WM : Wie lange hält die Kraft von Britta Steffen?

Schwimm-WM in Rom: Britta Steffens erster Einsatz steht kurz bevor. Die Doppel-Olympiasiegerin von 2008 schwimmt mit neuer Taktik.

Frank Bachner
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Britta SteffenEPA

Berlin - Es stimmt ja gar nicht, dass jeder nur über die Hightech-Anzüge redet. Britta Steffen redet auch über Nudeln. Die hängen ihr nach einer Woche Vorbereitung auf die Schwimm-WM nämlich zum Hals raus. Steffen war mit dem deutschen Team in Ravenna; nur lustig war das nicht. „Es kann nicht sein, dass wir in Italien sind und immer die gleichen Nudeln kriegen.“ Nein, wirklich nicht.

Nettes Thema, aber ab heute definitiv nicht mehr interessant. Ab heute wird auch sie sich ganz auf die Anzüge konzentrieren. Denn Britta Steffen, die Doppel-Olympiasiegerin von 2008, hat heute ihren ersten Einsatz, mit der 4-x-100-Meter-Freistil-Staffel. Und natürlich ist die Frage, wie schnell sie schwimmt in ihrem Adidas-Anzug, in dem sie bei den Deutschen Meisterschaften zweimal den Weltrekord über 100 Meter Freistil verbesserte. Solche Anzüge werden zwar ab 2010 verboten, aber in Rom werden sie noch für Bestzeiten sorgen.

Lisbeth Trickett, die Australierin, die große Rivalin von Steffen, schwimmt in einem Speedo-Anzug. Der gilt derzeit nicht als das Optimum. „Ich weiß, ich schwimme in einem besseren Anzug als sie, das macht nicht so Spaß“, sagt Britta Steffen den Journalisten in Rom.

Die 25-Jährige war schon immer fair, sie ist ja auch gegen diese Aufrüstung im Wasser. Ihr Vorteil ist ihre exzellente Technik, die können andere aber durch das Material wieder wettmachen. Schon deshalb ist es gefährlich, die Berlinerin als klare Favoritin zu betrachten. Sie hat selbstverständlich gute Chancen auf die Titel über 50 und/oder 100 Meter Freistil. Deshalb sagt sie auch: „Sicherlich wäre es schön, Weltmeisterin zu werden.“ Einen WM-Titel hat sie noch nicht.

Aber der Kampf um Gold wird ungemein hart, trotz des schnellen Anzugs. Sie hat zweimal Gold in Peking gewonnen, das schon, aber sie hatte auch Glück. Über 100 Meter Freistil schlug sie nur dank eines furiosen Endspurts noch vor Trickett an, und 50 Meter Freistil sind reine Lotterie: Steffen gewann mit einer Hundertstelsekunde Vorsprung.

Britta Steffen weiß, dass sie über 100 Meter Freistil ihre Taktik umstellen muss, sie hat das schon bei den Deutschen Meisterschaften gezeigt. Kraftsparende erste 50 Meter kann sie sich nicht mehr erlauben, da nützt inzwischen auch ihr Endspurt nichts mehr. Sie durchpflügt die erste Bahn jetzt schneller, aber damit steigt auch das Risiko. Wie lange hält ihre Kraft? In Berlin wäre sie auf den letzten zehn Metern fast gestorben, auch in Rom ist alles eine Frage des Stehvermögens. Bricht sie auf den letzten Metern ein, ist es gut möglich, dass sie sogar an einer Medaille vorbeischrammt.

Außerdem ist bei ihr immer noch vieles eine Frage der Nerven. Sie wirkt psychisch belastbarer, als sie in Wirklichkeit ist. Es ist deshalb wohl auch eine Art Selbstschutz, wenn sie fast abgeklärt wirkt. „Wenn ich verliere“, sagt sie, „gut, dann nehme ich das hin.“

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