Schwimmanzüge : Deutsche Schwimmer haben die freie Auswahl

Beim Schwimmen kommt es längst nicht mehr allein auf das Können der Spitzensportler an. Auch das Material der Anzüge ist von Bedeutung - und jeder Sportler hat seine Favoriten, was Modell und Hersteller angeht. Bei der WM dürfen die Deutschen tragen, was sie wollen.

Frank Bachner
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Das große Schwarze. Britta Steffen darf ihren Anzug bei der WM tragen. Foto: dpa

Berlin - Die Marketing-Studentin Britta Steffen hatte am Montag eine Prüfung, die Weltklasse-Schwimmerin Steffen wollte sich deshalb am Sonntag nicht mit einer Frage befassen, die erst in drei Wochen für sie interessant wird. „Darüber mache ich mir im Moment keinen Kopf“, sagte sie also nur. In welchem Anzug sie bei der WM in Rom ins Becken springen werde, das war ihr bei der deutschen Meisterschaft in Berlin ziemlich egal.

Jetzt kennt sie die Antwort: Die Doppel-Olympiasiegerin darf in jenem Modell durchs Wasser pflügen, in dem sie gerade zwei Weltrekorde über 100 Meter Freistil aufgestellt hat. Der Deutsche Schwimmverband (DSV) hat seinen Athleten für Rom die freie Anzugwahl gestattet. „Das halte ich für die beste Lösung. Jeder kann in dem Anzug schwimmen, in dem er sich am wohlsten fühlt“, sagte Steffen gestern der Deutschen Presseagentur.

Doch die Freigabe ist nur möglich, weil der DSV im Moment keinen Ausrüster hat. Adidas hat den Vertrag aufgelöst, und Konkurrent Arena hatte zwar meterbreite Logos bei den deutschen Meisterschaften aufgehängt, aber keinen Ausrüster-Vertrag mit dem DSV unterschrieben. Der DSV strebt eine Pool-Lösung mit verschiedenen Anbietern an.

So gute Konditionen wie mit Adidas wird er allerdings nicht mehr erzielen. Das Unternehmen hatte die Athleten nicht bloß mit Material ausgerüstet, sondern den DSV darüberhinaus nach Tagesspiegel-Informationen mit einer sechsstelligen Summe unterstützt. Derzeit ist so eine Summe aber wohl nicht zu erzielen. Bundestrainer Dirk Lange ist mit der Freigabe zufrieden. „Das begrüße ich sehr“, sagte er der Deutschen Presseagentur. Und DSV-Generalsekretär Jürgen Fornoff erklärte: „Jeder soll die Chance haben, seine Leistungsmöglichkeiten auszuschöpfen.“

Ein bedeutsamer Satz. Denn um die Anzugsfrage tobte zuletzt ein erbitterter Streit. Diverse deutsche Athleten hatten sich bei den Olympischen Spielen in Peking über die Adidas-Anzüge beklagt. Sie witterten einen Wettbewerbsnachteil. Damals wurden Dutzende Weltrekorde in einem Speedo-Modell aufgestellt. Adidas hatte vor Peking zwar ein überarbeitetes Modell geliefert, zudem gewann Steffen in Adidas zwei Goldmedaillen. Und einen Beweis dafür, dass Adidas schlechter war als die Konkurrenz, gab es sowieso nicht. Den Ärger der Athleten dämpfte das alles nicht.

Bei der Kurzbahn-EM in Rijeka ging die Debatte mit einer skurrilen Aktion weiter. Helge Meeuw und Thomas Rupprath, Favoriten über 50 Meter Rücken, traten in einer normalen Adidas-Badehose zum Finale an. Rupprath wurde Fünfter, Meeuw Achter. Offiziell wollten sie damit lediglich „ein Zeichen gegen die technische Entwicklung im Schwimmen setzen“. Ehrlicher war Kurzbahn-Weltrekordler Paul Biedermann, der heftig über sein Material herzog. Adidas zog die Konsequenzen – und kündigte den Vertrag.

Doch die Diskussionen ums Material gehen weiter, bei der deutschen Meisterschaft waren die Anzüge das beherrschende Thema. Biedermann beteiligte sich intensiv, aber dass gerade bei ihm sehr vieles eine Frage des Materials ist, das darf denn doch bezweifelt werden. Seinen Europarekord über 200 Meter Freistil erzielte er jedenfalls in einem ganz speziellen Modell. „Total retro“, verkündete er grinsend. Kann man so sagen: Es ist seit 2008 auf dem Markt.

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