Schwimmen : Biedermann verpasst Medaille über 200 Meter Freistil

Das Finale über 200 Meter Freistil gewinnt der Franzose Yannick Agnel, Weltrekordler Paul Biedermann steigert sich und wird am Ende immerhin Fünfter. Wirklich zufrieden ist er damit jedoch nicht.

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Paul Biedermann kämpfte, für eine Medaille reichte es aber nicht.
Paul Biedermann kämpfte, für eine Medaille reichte es aber nicht.Foto: dapd

Auf Bahn sechs gab der Mann in der hellen Badehose noch einmal alles. Paul Biedermann pumpte seine letzten Kraftreserven in die letzte Bahn. Er hatte noch 50 Meter bis zur Wand, er lag klar hinter den Medaillenplätzen bei der letzten Wende, aber plötzlich schob sich Biedermann immer näher an die Gegner. Sollte hier eine Überraschung passieren? Sollte Paul Biedermann nach seinem frustrierenden Vorlauf-Aus über 400 Meter Freistil und seinem wenig zufrieden stellenden Vorlauf über 200 Meter Freistil im Finale über diese Distanz etwa noch zur Bronzemedaille kommen?

Ein paar Sekunden lang sah es so aus, als wäre das durchaus möglich. Aber letztlich reichte die Kraft doch nicht mehr, in diesem Feld hatten auch die anderen ein enormes Finish. Paul Biedermann, der Weltrekordler, belegte Platz fünf über 200 Meter Freistil. 1:45,53 Minuten lang war er unterwegs; wenigstens war das persönliche Jahresbestleistung. Der neue Olympiasieger schwamm in einer anderen Dimension. Yannick Agnel aus Frankreich lag am Ende mit 1:43,14 Minuten eine Körperlänge vor den zeitgleichen Taewan Park aus Südkorea und dem neuen chinesischen Star Yang Sun. Die schlugen nach 1:44,93 Minuten an.

Als Biedermann in der Mixed-Zone stand, eingehüllt in einen weißen knielangen Bademantel, sagte er: „Ich bin mit dem Rennen nicht wirklich zufrieden. Die Endzeit ist zu langsam.“ Das lag auch an seinem schwachen Start. Der 25-jährige Doppel-Weltmeister von 2009 hatte gleich zu Beginn einen Rückstand. Andererseits präsentierte sich Biedermann völlig anders als noch im Vorlauf über diese Distanz, als er fast verunsichert gewirkt hatte. Er kämpfte, er schwamm mit Selbstbewusstsein, er ist auf dem Weg zurück zur alten Stärke.

Vor allem für die 4-x-200-Meter-Freistil-Staffel ist ein selbstbewusster Biedermann wichtig. Heute steigt das Finale in dieser Staffel, und Biedermann wird als Leitfigur gebraucht, der die anderen mitzieht. Ein Biedermann, der an sich und der Welt zweifelt, ist keine Hilfe. „Da sind noch drei andere Jungs, die auf mich vertrauen“, sagte er. Eine Medaille hatte ihm vor dem Finale sowieso kaum noch einer zugetraut. Agnel beherrschte die Konkurrenz wie er wollte. Keiner hatte eine Chance gegen den Franzosen, der schon am Sonntag seiner 4-x-100-Meter-Freistil-Staffel mit einer grandiosen Leistung die Goldmedaillen gesichert hatte. Als Schlussschwimmer hatte er in einem packenden Finish Ryan Lochte (USA) eine ganze Sekunde abgenommen.

Und auch diesmal enttäuschte dieser Lochte wieder. Bei der WM 2011 hatte er noch fünf Goldmedaillen gewonnen, jetzt kam er lediglich als Vierter ins Ziel. „Ich weiß nicht, was heute Abend los war. Ich habe alles gegeben, mehr war nicht möglich“, sagte er. Und dann erklärte er das Gleiche, was auch Biedermann beeindruckt mitgeteilt hatte: „Ich glaube, ich habe über 200 Meter Freistil noch nie in so ein Weltklassefeld erlebt.“ Dieses Rennen galt ohnehin als ein Höhepunkt der olympischen Schwimmwettbewerbe. „Die Weltklasse liegt derart dicht beieinander, dass im Finale jeder von Platz eins bis Platz acht alles erreichen kann“, hatte Biedermann vor London gesagt.

Allerdings ahnte da noch niemand, wie dominant Agnel hier auftreten würde.

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