Schwimmen : Ein Duell, das keines war

Paul Biedermann hat dem Kurzbahn-Weltcup in Berlin seinen Stempel aufgedrückt. Er stellte seinen zweiten Weltrekord binnen 24 Stunden auf und pulverisierte die alte Bestmarke über 200 Meter Freistil – sein Konkurrent Michael Phelps scheitert schon im Vorlauf.

Frank Bachner
Biedermann
Paul Biedermann -Foto: ddp

BerlinBerlin - Paul Biedermann machte eine Geste mit seinen Fingern, was sie genau bedeuten sollte, das konnte er später auch nicht sagen. Sie sah halt gut aus, sie passte zu seinem Schrei, sie passte zu seiner Zeit, die auf der Anzeigentafel auftauchte, und sie passte zu dem Wort, das der Hallensprecher ins Mikrofon brüllte: „Weltrekord“. Weltrekord, schon wieder einer. Weltrekord über 200 Meter Freistil, Biedermanns Paradestrecke. Weltrekord beim Schwimm-Weltcup in Berlin, 1:39,37 Minuten, klar die alte Bestmarke (1:40,83) unterboten. Seine alte Bestmarke. Den alten Weltrekord über 400 Meter Freistil hatte der 22-Jährige am Samstag unterboten.

„Das ist natürlich die Krönung“, sagte Biedermann, während die Träger seines High-Tech-Anzugs in seine Schultern schnitten. „Ich hoffe, ich habe Michael Phelps an diesem Wochenende den Rang abgelaufen. Berlin, das ist ja mein Heim-Weltcup.“ Michael Phelps, das Stichwort. Jeder wartete auf das Duell Biedermann gegen Phelps, Sensations-Weltmeister gegen 14-maligen Olympiasieger. Das 200-Meter-Freistil-Finale, das sollte die Revanche für Rom sein, symbolisch natürlich nur. In Rom hatte der junge Deutsche den haushohen Favoriten Phelps über diese Strecke besiegt.

Aber seit Sonntagvormittag war klar, dass dieses Duell nur eine schöne Träumerei bleiben würde, in Berlin jedenfalls. Phelps hatte seinen Vorlauf als Durchschnittsgröße beendet. Platz zwölf in einer schlechten Zeit, damit hatte er das Finale verpasst. Schade, fand Biedermann. „Viele haben sich auf das Duell gefreut. Aber es hat nicht sollen sein. Wir werden noch viele Duelle miteinander bestreiten.“

Spannend blieb nur noch die Frage: Ist Michael Phelps außer Form? Hat er aus taktischen Gründen das Finale verpasst? Vermutlich beides. Phelps hat einige Kilogramm Übergewicht, er trägt einen struppigen Bart, er ist spät ins Training eingestiegen, er trainiert nicht mehr so intensiv wie früher, außerdem ist ihm der Weltcup ziemlich egal. Er startet nur deshalb in Berlin, weil sein Verband und sein Hauptsponsor das wünschen. Das ist der sportliche Part.

Der taktische könnte so gehen: Biedermann hatte diesen Weltrekord über 400 Meter Freistil aufgestellt, trotz eines gerade erlittenen Muskelfaserrisses im Oberschenkel. Er ist also in Form. Und die Chance, dass er auch auf seiner Hauptstrecke, den 200 Metern Freistil, auftrumpfen würde, die war nun verdammt groß für Phelps. Biedermann würde ihm eine klare Niederlage zufügen, diese Gefahr bestand. Diese Niederlage hätte zwar sportlich keine Bedeutung, aber sie wäre prestigeträchtig geworden, vor allem, wenn der Deutsche ihn klar abgehängt hätte. Und so etwas muss sich ein 14-maliger Olympiasieger nicht geben.

Bob Bowman, der Trainer des US-Stars, sagte: „Es war eigentlich gar nicht so schlecht. Die Zwischenzeiten waren ganz gut, er hatte eine gleichmäßige Beinarbeit, aber natürlich müssen wir noch etwas tun.“ Michael Phelps sagte auch etwas. „Ich schwimme aus vollem Training heraus. Ich bin auf dem besten Weg für die WM 2011“, ließ er als Statement verbreiten. Er kann also doch nach dem Wettkampf reden, damit war nicht zu rechnen. Denn einen Journalisten, der ihn versuchte, ihn direkt nach dem Rennen anzusprechen, fragte er brüsk wie ein Kommissar einen Tatverdächtigen: „Wie heißen Sie?“ Dann stampfte er durch die Halle und kehrte mit einer Vertreterin des US-Verbands zurück. Die verkündete markig: „Es ist nicht erlaubt, Michael Phelps anzusprechen.“

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