Schwimmen : Eine Welt verschwindet

Unser Schwimm-Experte Frank Bachner über den Rücktritt von Pieter van den Hoogenband.

Frank Bachner

Die Zeit war so etwas wie sein Abschiedgruß. Pieter van den Hoogenband schwamm 47,75 Sekunden im Finale über 100 Meter Freistil, damit blieb er unter seinem früheren Weltrekord (47,84). Der Holländer wurde nur Fünfter, aber das mit Würde. Danach erklärte er seinen Rücktritt. Doch mit ihm verabschiedet sich nicht bloß der Olympiasieger von 2000 und 2004 über 100 Meter Freistil, mit ihm verschwindet, symbolisch, eine inzwischen antiquierte Welt. Sein Weltrekord stand acht Jahre, der 30-Jährige verkörpert die Zeit, in der nicht fast jede Weltbestzeit ein Verfallsdatum von einem Tag hat. Aber eine andere Denkweise verkörpert er nicht unbedingt. Sein Vater war Arzt von Hollands Nationalteam, dieser Umstand war stets Teil der Dopinggerüchte, die ihn umgaben.

Doch er steht für eine Zeit, in der packende Duelle Schwimmen stärker prägten als eine unaufhaltsame Rekordflut. Er besiegte 2000 in Sydney den großen Alexander Popow, er unterlag 2004 in Athen über 200 Meter Freistil dem großen Ian Thorpe, er wurde bei der WM 2007 von Michael Phelps gedemütigt. Der elfmalige Olympiasieger Phelps steht für die neue Welt im Schwimmen. Spannender ist die nicht.

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