Sport : Schwimmen: Franzi macht weiter, ist doch wunderbar

Frank Bachner

Vorab blicken wir erst mal rüber zur Abteilung Rührstück, Untergebiet Schwimmen. Franziska van Almsick ist ja jetzt neu verliebt, in diesen wilden Handballer. Der mit den Tattoos und den vielen Ringen in den Ohren und den grell gefärbten Haaren. Frau und Kind hat Stefan Kretzschmar auch noch verlassen, das ist ja das Schlimmste. Deshalb stellen wir mit Freude fest, dass jetzt genau diese Zeitung auf der Schleimspur daherkriecht, die Franziska van Almsick bei den Olympischen Spielen mit der Schlagzeile "Franzi van Speck - Als Molch gewinnt man kein Gold" ans Kreuz geschlagen hatte. Da waren viele Menschen empört, und deshalb nimmt jetzt das Blatt Franzi an die Hand und fragt besorgt: "Ist er der Richtige, Franzi?" "Hast du nicht auch deinen Steffen verlassen, Franzi?" fragt es natürlich nicht.

Aber eigentlich geht das ja außer Steffen Zesner niemanden etwas an. Doch bei Franziska van Almsick ist halt alles anders, und deshalb sorgt sie noch mit einer zweiten Nachricht für Aufsehen: Sie will weiterschwimmen! Doch, hat sie gestern erklärt. Ein Hammer, was? Tritt nicht einfach ab nach ihrer Sydney-Pleite. Obwohl doch ganz Deutschland über sie den Kopf schüttelte. Und einen Abgang erwartete. Kann doch nichts mehr, die Frau, ist doch ausgebrannt. Die Frage, weshalb eine 22-Jährige am Ende sein soll, während Kerstin Kielgaß, 30, und Sylvia Gerasch, 31, in Sydney flott durchs Wasser pflügten, ist natürlich völlig absurd.

Und da liegt der Kern des Problems. Franziska van Almsick ist seit 1992 eine von Millionen adoptierte Person. Die Massen haben sie als Göre gefeiert und nach Niederlagen verurteilt. Die Öffentlichkeit will bestimmen, wann sie sich zu freuen und wann sie abzutreten hat. Dass sie einen eigenen Willen hat, dass sie erst nach dem für sie optimalen Rennen aufhören möchte, diese Freiheit wird ihr nicht gegönnt. Vor allem aber ist sie noch kein Auslaufmodell. Leistungstiefs hatte sie schon früher, anschließend wurde sie Welt- und Europameisterin. Gut, Top-Titel wird sie kaum noch holen, aber vor Sydney bewies sie, dass sie noch zu ausgezeichneten Leistungen fähig ist. Franziska van Almsick macht weiter? Na, ist doch wunderbar.

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