Schwimmen : "Nicht einlullen lassen"

Nach überzeugenden Vorstellungen bei der Kurzbahn-EM warnt DSV-Sportdirektor Örjan Madsen, man dürfe sich durch die Erfolge nicht "einlullen" lassen. Messlatte sei die Weltspitze.

Helsinki - Als Madsen am 1. März seinen Job als Sportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) antrat, erhob der Sportwissenschaftler aus Norwegen "dramatische Veränderungen" in die höchste Dringlichkeitsstufe. "Das hat eine kritische Masse an Trainern begriffen - und auch die Athleten", sagte der 60-Jährige nach den Kurzbahn-Europameisterschaften in Helsinki. Nach zehn Monaten im Amt warnte er erneut: "Wir müssen uns an der Weltklasse messen und dürfen uns nicht einlullen lassen."

Selbst die erfolgreiche EM in Finnland stellte Madsen nicht restlos zufrieden. Ein "Befriedigend" schreibt er dem deutschen Schwimmen in das Zeugnis und macht "ein unheimliches Verbesserungs- Potenzial" aus. Madsen will bis zum Ablauf seines Zeitvertrags nach Olympia 2008 das Maximum erreichen. Dafür fordert er alles: "Es muss immer Druck da sein, 24 Stunden am Tag die Bereitschaft, Athlet zu sein. Ohne diese Einstellung hast du keine Chance."

"Projekt Weltklasse 2008"

Das Ganze heißt "Projekt Weltklasse 2008" und basiert vor allem auf der Konzeption der Zentralisierung und des Höhentrainings. Der Weg nach Peking wird für die besten deutschen Schwimmer womöglich hart wie nie sein: An 170 Tagen in den Jahren 2007 und 2008 herrschen Lehrgangs- und Wettkampfzwang, die andere Hälfte dient dem Heimtraining und der Regeneration. Das ist professionelles Schwimmen. Woran es Madsen mangelt, ist Zeit: "Es ist Fünf vor Zwölf." Das erste Höhen-Trainingslager ist absolviert, das zweite steht im Februar bevor. Einen generellen Schub nach vorn stellt der Sportwissenschaftler nicht unbedingt fest: "Nicht alle Athleten respondieren. Höhentraining ist durchaus risikoreich, aber darüber waren wir alle uns im Klaren."

Also will Madsen lernen und lehren. "Dafür müssen wir jede Gelegenheit nutzen." Er selbst ist in Einzelfällen zum Umdenken bereit und will individuelle Maßnahmen anbieten, wenn das zentralisierte Programm nicht zu 100 Prozent greift. Doch eines macht der 60-Jährige klar: Er ist der Chef. "Ich werde sagen, wer wo hingeht und wann."

Madsen mischt sich ein, gibt die Richtung vor - auch für seinen Nachfolger, über den er sich schon jetzt Gedanken macht. "Ich sollte ein dreiviertel Jahr mit ihm zusammenarbeiten können", sagte er. Das wäre die Ideallösung. Der Übergang nach den Spielen in China soll fließend sein, ein personelles Hauruck dürfe es nicht geben. Dass der Norweger selbst länger im Amt bleibt, schließt er aus. Und im Bewusstsein um das Vertragsende kennt Madsen nur eine Aufgabe, der er alles unterordnet: "Weltklasse." Diesen Status will er herbeiführen und hinterlassen. Dann ist Madsens Mission erfüllt. (Von Dietmar Fuchs, dpa)

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