Sport : Schwimmen: Van Almsick taucht ab, der Rest unter

"Der freie Fall ist angesagt." Frauen-Bundestrainer Achim Jedamsky hat eine vernichtende Halbzeitbilanz der deutschen Schwimmer in Sydney gezogen. Die 4 x 200-m-Freistil-Staffel der Männer ging am Dienstag als Sechste baden. Antje Buschschulte sagte frustriert ihren Einzelstart über 100 m Freistil ab. Und Franziska van Almsick war nach ihrem 200-m-Freistil-Debakel auf Tauchstation gegangen. "Sie hat sich dünne gemacht", sagte Herren- Trainer Manfred Thiesmann, "sie weiß genau, dass sie so nicht auftreten kann." Für die Mannschaft kündigte Thiesmann Einzelanalysen an: "Es herrscht Sprachlosigkeit und Ratlosigkeit. Es wird hart gesprochen werden." Personaldiskussionen im deutschen Team sind programmiert.

Die Amerikaner führen zur Halbzeit die Medaillenwertung mit 6 Gold-, 5 Silber- und 3 Bronzemedaillen vor Gastgeber Australien (4 - 3 - 1) an. Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) blieb hängen bei einer Bronzemedaille, die Rückenschwimmer Stev Theloke erobert hatte. Das ist zu wenig für den erfolgsverwöhnten DSV. Eine empfindliche Kürzung der Fördermittel aus der Bundeskasse steht ins Haus. "Ich habe die Sorge, dass wir bei den Frauen nicht in der Spitzenförderung bleiben", sagte DSV-Präsident Rüdiger Tretow. Der frühere Schwimm-Star Michael Groß meinte in Sydney: "Der Verband hat über Jahre falsche Prioritäten gesetzt. Man muss auf nationaler Ebene Konkurrenzen pflegen. Kurzbahn-Weltmeister zu sein, interessiert keinen."

Franziska van Almsick war auf der Flucht vor unangenehmen Fragen. "Am Tag danach habe ich noch keine Erklärung für mein Ausscheiden", ließ die 22-Jährige über ihr Management schriftlich mitteilen, "ich fühle mich heute nicht in der Lage, Interviews zu geben." Sie kündigte ihren Start mit der Freistil-Staffel an. "Ich bemühe mich, meine Nerven wieder in den Griff zu bekommen und eine ordentliche Zeit über 4 x 200 m zu schwimmen." Es wird keine Staffel der Freundinnen sein. "Da müssen wir uns noch mal zusammenraufen", beschrieb Kerstin Kielgaß die Stimmung. "Sie tut mir nicht Leid. So ist das im Leben, das muss man wegstecken."

Franziska van Almsick kämpft um einen versöhnlichen Abgang. Der Rücktritt scheint erzwungen. Die Staffeln können ihn nur noch etwas erträglicher machen. "Wir brauchen sie noch", sagte Jedamsky, "ich hoffe, dass sie eine Wut entwickelt und in den Staffeln zeigt, was sie kann. Es wäre ein versöhnlicher Abschluss auch für sie, wenn sie mit einer Medaille nach Hause kommt, statt mit einem leeren Einkaufskorb." Die 22-Jährige ist gesetzt. Der Vorlauf über 200 m Schmetterling am Dienstag - sie wurde 28. - war laut Jedamsky "nur ein Einsatz, um sie abzulenken".

Es war eine Beschäftigungstherapie mit historischer Dimension, nämlich das wahrscheinlich letzte internationale Einzel-Rennen der Franziska van Almsick.

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