Schwimmen : Was ziehe ich bloß an?

Schwimmerin Alshammar findet es sexistisch, nur einen Badeanzug tragen zu dürfen.

Hüseyin Ince
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Foto: AFP

BerlinWas genau ist eigentlich ein Badeanzug? Das fragt sich Therese Alshammar womöglich seit Dienstag. Der 31 Jahre alten Schwimmerin aus Schweden wurde zum Verhängnis, dass sie unter ihrem Rennbadeanzug einen handelsüblichen Badeanzug trug. Alshammar wurde ihr neuer, um zwei Hundertstel auf 25,44 Sekunden verbesserter Weltrekord über 50 Meter Schmetterling bei den internationalen australischen Meisterschaften deshalb aberkannt. Zwei Schwimmanzüge übereinander zu tragen, hat der Internationale Schwimmverband (Fina) am vergangenen Wochenende verboten. Offensichtlich aber war nicht klar, ab wann die neue Regel gilt. Alshammar kritisiert sie ohnehin.

Sie fühlt sich nur mit dem Rennanzug entblößt und findet es „ein wenig sexistisch“, dass es ihr wie den Männern zwar erlaubt sei, einen Slip unter dem Badeanzug zu tragen, aber nicht, ihre Brüste zusätzlich zu bedecken. Sie habe den zweiten Anzug nur getragen, weil Sie Angst habe, dass der Hightech-Anzug reiße. 400 bis 500 Euro kostet so ein Hightech- Einteiler und hält drei bis vier Rennen.

Im Schwimmsport ist man sich einig, dass teflonbeschichtete Schwimmanzüge bei Spitzenathleten im Jahr 2008 mehr als 100 Rekorde ermöglicht haben, weil sie für mehr Auftrieb und Stabilität im Wasser und damit für eine höhere Geschwindigkeit sorgen können. Zwei Anzüge, doppelter Auftrieb, heißt eine der Theorien für das Verbot des doppelten Schwimmanzugs durch die Fina.

Die Definition für einen Badeanzug im Regelwerk der Fina ist aber eher schwammig. „Den Begriff ,Swim-Suit‘ müsste die Fina klären“, sagt Stefan Lurz, der Trainer und Ehemann der deutschen Schwimmerin Annika Lurz. Der 32-Jährige, der selbst deutscher Spitzenschwimmer war, fragt sich: „Ist damit jetzt ein Badeanzug gemeint oder ein Rennanzug?“ Ein normaler Badeanzug, wie der von Alshammar unter dem Rennanzug, sorge sicherlich nicht für Auftrieb. Er sauge sich im Gegenteil mit Wasser voll und mache die Athletin langsamer. Deshalb könne er die Entscheidung der Fina nicht verstehen. Noch vorige Woche schwamm auch die Italienerin Frederica Pellegrini mit zwei Badeanzügen, „da hat sich keiner beschwert“. Lurz kann aber verstehen, warum Frauen einen zweiten Anzug tragen möchten. „Viele Athletinnen erzählen, dass die extrem engen Rennanzüge oft bei der ersten Anprobe reißen“, sagt er. „Aber dass während des Rennens ein Anzug reißt, habe ich noch nie erlebt.“ 

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