Schwimmer Michael Phelps in Berlin : Golfen und abtauchen

Michael Phelps besuchte Berlin und widerspricht Gerüchten über ein Schwimm-Comeback. Ein Ortstermin mit dem mit 18 Goldmedaillen erfolgreichsten Athleten in der Geschichte der Olympischen Spiele.

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Glücklich ohne Wasser. Comeback? Phelps will davon nichts wissen.
Glücklich ohne Wasser. Comeback? Phelps will davon nichts wissen.Foto: Eventpress Schulz

Berlin - Das Wasser steht ihm nicht nur bis zum Hals, es steht ihm bis zur Nasenwurzel. Die Schwimmbrille hat er auf die Stirn geschoben, lässig fährt er sich mit der linken Hand durchs nasse Haar, eine klobige metallene Armbanduhr trägt er am Handgelenk – ziemlich unpraktisch zum Schwimmen so etwas. Ob die überhaupt wasserdicht ist? Es geht nicht um Sinn, so wird Werbung gemacht. Denn es ist nur ein Plakatmotiv, mit dem das KaDeWe den Besuch von Michael Phelps, des ehemaligen Weltklasseschwimmers angekündigt hat. Jetzt ist er da. Lässig gekleidet: kleinkariertes Hemd, lindgrüne Hose, hellbraune Lederslipper. In Berlin ist er damit fast schon overdressed.

Michael Phelps hat jetzt Zeit. Es geht für ihn nicht mehr um Hundertstelsekunden. Der erfolgreichste Schwimmer aller Zeiten hat nach den Olympischen Spielen in London 2012 seine Karriere beendet. Nach 18 Goldmedaillen, mit gerade einmal 27 Jahren. „Ich relaxe und genieße einfach mein Leben“, sagt der US-Amerikaner am Rand der Sponsorenveranstaltung für Uhren. „Zeit hat in meinem Leben immer eine große Rolle gespielt“, spricht er ins Mikrophon. Fast schon philosophisch.

Besonders relaxt sieht er aber nicht aus. Eher eingeschüchtert, als sei ihm die ganze Sache nicht geheuer. Wie ein Junge, der an Weihnachten eine Armbanduhr geschenkt bekommen hat, die er nun fürs Familienalbum in die Kamera halten muss, wirkt er nun. Michael Phelps oder „Baltimore Bullet“ (das Geschoss aus Baltimore), wie er auch genannt wurde, als er noch schwamm. Und seine Fans lieben ihn nicht nicht nur für seine Geschwindigkeit: „Der sieht verdammt gut aus“, sagen zwei schlaksige Jungs in Röhrenjeans und zücken ihre Smartphones ihm nach zum Ausstellungsfläche. „Der sieht doch lecker aus“, sagt ein Verkäufer zu seinem Kollegen. Ein paar Meter weiter sind die Mädchen der gleichen Ansicht; kichernd nicken sie sich heftig zu. Der beste Schwimmer der Welt ist an allen Ufern begehrt.

Doch der ehemalige Schwimmer hat sich nun eine Sportart ausgesucht, die eher das Gegenteil von Sexappeal ist: Golf. Und doch verlangt es ihm alles ab. Es gibt ein Video im Internet, in dem er entnervt den Golfschläger wegschleudert. „Es ist der frustrierendste Sport in meinem Leben“, sagt er. Aber er hat ihn dennoch begeistert. „Du bist nie zu alt zum Golfen, du kannst es überall auf der Welt spielen.“ Dann fügt er hinzu: „Und du siehst kein Loch zweimal.“

Vom Schwimmen hat er erstmal genug, ein Comeback solle es nicht geben. „Davon habe ich auch gehört, aber ich weiß nichts davon“, sagt Phelps. Er will aber 2016 nach Rio de Janeiro fliegen, „nur um zuzuschauen und anzufeuern“. Er will jetzt eben sein Leben genießen. Auch dieser Rummel um ihn und die Uhren scheint schon zu viel zu sein. Wenn er könnte, würde Michael Phelps wohl am liebsten die Schwimmbrille aufsetzen und einfach abtauchen. Jan Mohnhaupt

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