Sport : Schwimmer sehen rot-rot

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Von Annekatrin Looss

Berlin. Zwölf Berliner Schwimmvereine wollen die Berliner Regierung in der nächsten Woche verklagen. Momentan werde die Sammelklage noch durch Rechtsanwälte geprüft, Anfang der nächsten Woche soll sie beim Verwaltungsgericht eingereicht werden, sagte der Sprecher des Berliner Landessportbundes (LSB), Dietmar Bothe. Die Vereine wollen eine einstweilige Anordnung gegen die Schließung von elf Bädern erreichen. Aufgrund der angespannten finanziellen Lage haben die Berliner Bäder-Betriebe die Zahl der Schwimmhallen auf insgesamt 62 reduziert, zum 31. Juli haben die Vereine die Kündigung auf dem Tisch. „Alle rund 50 000 Berliner Vereinsschwimmer sind von den Schließungen betroffen“, meint Bothe. In der gesamten Stadt stünden nicht mehr ausreichend Schwimmzeiten für die Sportgemeinschaften zur Verfügung.

Unter anderem beteiligt sich die Sport-Arbeitsgemeinschaft des Bezirks Treptow-Köpenick an der Sammelklage. Während den 13 Vereinen des Bezirkes früher eine Nutzungszeit von insgesamt 228 Bahnstunden – das heißt, der Verein darf eine Bahn eine Stunde lang nutzen – zur Verfügung standen, müssten sie sich nach der vorgesehenen Schließung der Schwimmhalle Adlershof 142 Bahnstunden teilen. „Ich weiß nicht, bei welchem Verein ich kürzen soll“, sagt der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft, Wolfgang Dürr. Neben Kindern und Jugendlichen trainieren in der Halle auch Senioren und Behinderte. Außerdem finden in Adlershof preiswerte Tauchkurse statt. „Die müsste ich ganz streichen, weil die anderen beiden Hallen des Bezirks nicht die nötige Beckentiefe haben“, sagt Dürr. Mit der Klage hofft er nun, die Schließung der Schwimmhalle Adlershof so lange auszusetzen, bis Ersatz für die Vereine gefunden ist.

Der Gang vor das Verwaltungsgericht soll jedoch nur der Auftakt für weitere Protestaktionen sein. „Es wird ein heißer Herbst“, prophezeit LSB-Sprecher Bothe. So wollen einige Sportklubs nach den Sommerferien den Verkehr in ihren Bezirken lahm legen, in Schwimmkleidung. Damit wollen sie nicht nur gegen die Schließung von Schwimmhallen demonstrieren, sondern auch gegen gekürzte Zuschüsse für die Vereine. So steht der in den Achtzigerjahren mit Millionen geförderte Sport-Club Siemensstadt vor dem Aus. Dem Verein wurden die Betriebskostenzuschüsse um ein Viertel gekürzt – zu wenig, um die Halle weiter betreiben zu können. Nirgendwo sei in den vergangenen Jahren so stark gekürzt worden wie im Vereinssport, sagt Bothe weiter. Dass sei nicht nur demotivierend für alle, die sich jahrelang freiwillig und ehrenamtlich engagiert haben, sondern inzwischen existenzbedrohend. Von den Einsparungen seien besonders die Kinder und Jugendlichen betroffen. Etwa 12 000 der insgesamt 20 000 Mitglieder des Berliner Schwimm-Verbandes seien jünger als 18 Jahre.

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