Sport : Schwimmmen: Das große Ziel des Ian Thorpe

Hans-Peter Sick

Der erste Gewinner der Schwimmwettbewerbe bei den Weltmeisterschaften im japanischen Fukuoka steht schon vor dem ersten Rennen fest: Australiens Olympiasieger Ian Thorpe. Sein russischer Rivale Alexander Popow zog sich bei der IOC-Session in Moskau eine Grippe zu und fällt aus. Die Revanche gegen Olympiasieger Pieter van den Hoogenband dürfte zur einseitigen Angelegenheit werden. Der Holländer legte nach seinen beiden Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen von Sydney eine Pause ein, nahm erst im Januar wieder das Training auf und will erst bei der Europameisterschaft im kommenden Jahr in Berlin wieder Aufsehen erregen.

Beste Chancen also für Thorpe, dem legendären Mark Spitz nachzueifern. Der Amerikaner holte 1972 in München siebenmal Gold. Sieben Titel für Ian Thorpe wären in Fukuoka keine Überraschung. Über 100 m, 200 m, 400 m und 800 m Freistil ist der 19 Jahre alte dreifache Olympiasieger der hohe Favorit. Dazu startet er in drei Staffeln (4 x 100 m und 4 x 200 m Freistil, sowie 4 x 100 m Lagen). "Ein wenig viel, aber er will es unbedingt machen", sagte Australiens Chefcoach Don Talbot.

Siebenmal Gold: Daran wagt beim Deutschen Schwimm-Verband (DSV) niemand zu denken. "Wir wollen nach oben und nicht nach unten durchschlagen", hat Ralf Beckmann (Kassel) gesagt, der Sportdirektor Schwimmen im DSV. Drei Bronzemedaillen waren das enttäuschende Resultat in Sydney. "In der Mannschaft steckt mehr", sagt Beckmann. In Japan strotz das 26-köpfige Team vor Harmonie und Selbstvertrauen. "Es gibt zum erstenmal seit langem wieder ein Miteinander und kein Gegeneinander im Team", sagt der Überraschungs-Olympia-Dritte über 100 m Rücken, Stev Theloke (Chemnitz). "Das Miteinander ist besser geworden, dank der Veränderungen in der Verbandsstruktur, die wir gefordert haben", fügt die Hamburgerin Sandra Völker hinzu. Sie ist seit zwei Monaten Aktivensprecherin, gleichzeitig Medaillenkandidatin Nummer eins der DSV-Mannschaft. "Dieses Team hat Potenzial", sagt Sandra Völker, und damit meint sie auch sich. Immerhin führt sie über 50 m und 100 m Freistil sowie über 50 m Rücken die Weltrangliste an.

Vor zweieinhalb Jahren in Perth holten Deutschlands Schwimmer acht Medaillen, darunter die goldene über 4 x 200 m Freistil der Frauen. "Da wollen wir wieder eine Medaille", sagt Ralf Beckmann. Auch die 4 x 100m-Freistil-Staffel der Frauen hat entsprechende Ambitionen. Und Peggy Büchse träumt ebenfalls von einer weiteren Medaille. Nach Gold (über 10 km) und Silber (5 km) im Meer will die Rostockerin über 1500 m Freistil auch im Becken glänzen. Das Duell mit der Weltranglistenersten Hannah Stockbauer aus Erlangen und dem Rest der Welt dürfte über die erstmals im WM-Programm stehende Strecke eines der Glanzlichter der Titelkämpfe werden. Peggy Büchse wird in der Weltrangliste immerhin auf Patz drei geführt. Bei den Männern ruhen die DSV-Hoffnungen neben Stev Theloke vor allem auf Thomas Rupprath. "Mir fehlt noch ein Deutscher Rekord, der von Michael Groß über 200 m Schmetterling", sagt der Wuppertaler.

Eine Schrecksekunde erlebte der Berliner Sven Lodziewski, mit 36 Jahren der älteste Schwimmer der WM. Am Donnerstag prallte er im Training mit Johannes Oesterling zusammen. Eine Prellung am linken Handrücken diagnostizierte der schwimmende Arzt anschließend bei sich. Doch: "Ich kann starten." Dem Comeback des Staffel-Weltmeisters von 1986 in Madrid steht 13 Jahre nach dem vorläufigen Ende seiner internationalen Karriere nichts mehr im Wege.

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