Sport : Schwingen, schwingen, schwingen, schwingen, schwingen

Vor dem US Masters arbeitet Golfprofi Bernhard Langer bis zu sechs Stunden täglich an seinem Schlag – wie seit 32 Jahren

Petra Himmel[Augusta]

Schweigend stehen die beiden Männer auf der Driving Range von Augusta. Bernhard Langer und Willi Hofmann nehmen weder den Lärm der Zuschauer auf den Tribünen wahr noch Kollegen wie Tiger Woods und Retief Goosen, die hier ebenfalls ihre Bälle schlagen. Die knisternde Atmosphäre des US Masters im Golf, des heute beginnenden ersten Major-Turnier des Jahres, dringt nicht vor zu diesen beiden Deutschen, die sich ganz auf ihre Arbeit konzentrieren. Es ist ein Gespann, das in dieser Form einmalig ist auf der Tour. Seit 32 Jahren arbeiten sie gemeinsam am Spiel des Bernhard Langer. „Wir kannten uns aus Bernhards Lehrlingszeiten. Als mein Freund Heinz Fehring, der auch Bernhards Lehrer war, aufhörte, selbst Turniere zu bestreiten, habe ich noch gespielt. Na ja, dann sind wir zwei eben zusammen gereist“, sagt Hofmann. Schon damals hatte der heute 48 Jahre alte Langer große Ziele. „Bernhard wollte auf die European Tour kommen und Turniere gewinnen.“ Und Hofmann sollte ihm dabei helfen. Das US Masters war noch ein weit entferntes Ziel.

Drei Jahrzehnte später stehen die zwei – inzwischen vergleichsweise alten – Herren zum 24. Mal in Augusta auf der Range und besprechen wieder und wieder den Schwung und seine Feinheiten. Bis zu sechs Stunden können die Trainingseinheiten dauern. Ab und zu sagt der 65-jährige Hofmann ein kurzes Wort. „Kurzsprache“ nennt Deutschlands bekanntester Golflehrer diese Form der Kommunikation. „Jedes neue Wort ist eine neue Information. Deshalb versuche ich mich möglichst knapp zu halten.“ Hofmann kennt Langers Schwung in allen Formen. Schritt für Schritt haben sie sich auf ein technisch hohes Niveau vorgearbeitet. „Am Anfang stand er sehr Richtung links, und er hat relativ flach geschwungen“, sagt Hofmann. Die Umstellung des Schwungs auf die besonderen Anforderungen des Kurses von Augusta war der nächste wichtige Schritt: „Bernhard konnte den Ball immer gut flach halten, er war ein guter Windspieler, aber für die US-Tour musste er lernen, hoch zu spielen.“ Auch diese Herausforderung haben sie bewältigt.

Aber das bedeutet nicht, dass die Zusammenarbeit damit eigentlich beendet ist. „Ich muss nicht täglich mit dem Trainer telefonieren, aber ihn doch immer wieder mal treffen. Manchmal verändern sich eben ganz kleine Dinge“, sagt Langer. „Je höher das Niveau, auf dem der Spieler sich befindet, desto kleiner kann der Auslöser für große negative Auswirkungen sein“, sagt Hofmann. Ohne Trainer ist deshalb auch einer wie Langer verloren. Viele Dinge kann er selber korrigieren, aber bei den Feinheiten ist er auf Hofmanns Wissen und Auge angewiesen.

In solchen Momenten stehen sie dann, wie jetzt in Augusta, vor einem Eimer Bälle, und besprechen Korrekturen. „Grundsätzlich möchte ich alles positiv rüberbringen“, sagt Hofmann. Aber ohne Diskussionen geht es nicht. „Ich muss die Änderungen ja auch verstehen. Da frage ich dann schon mal nach, wenn mir etwas unklar ist“, sagt Langer. Zum Streit oder zu engagierten Diskussion kommt es aber nicht. Dafür ist die Freundschaft der beiden inzwischen zu tief, dazu geht Bernhard Langer auch viel zu professionell seiner Arbeit nach.

Woran sie zu arbeiten haben, wissen die beiden immer. Zu Beginn der Saison erstellen sie den Arbeitsplan. Langfristig peilt Langer mit seiner Schwungtechnik und seinem harten Fitnessprogramm nur eines an: möglichst lange auf der Tour wettbewerbsfähig zu bleiben. „Bernhard ist ein extrem konsequenter Arbeiter“, sagt Hofmann. In diesem Maß hat er das in all den Jahren bei keinem anderen seiner Schüler erlebt.

Auch deshalb ist der Reiz der Zusammenarbeit immer erhalten geblieben. „Ich habe ab und zu mal mit anderen Lehrern wie Peter Kostis oder Hank Haney über bestimmte Punkte diskutiert“, sagt Langer. „Aber eigentlich nie mit dem Gedanken an einen Wechsel des Trainers, sondern weil ich sicher gehen wollte, dass wir uns mit unserer Arbeit auf dem richtigen Weg befinden.“ Diese Arbeit steht auf dem Prüfstand, sobald Langer bei einem Turnier den Platz betritt. Aufregen kann sich Hofmann kaum noch über die Fehler seines Schülers. „Das einzige, worüber ich mich ärgere, ist, wenn wir vor der Runde etwas absprechen und er dann irgendwann ausbricht.“ Zum Beispiel, wenn Langer plötzlich den Driver dort zückt, wo er ein Holz 3 oder Eisen schlagen sollte.

Doch die ganze Aufregung nützt nichts. Während des Turniers kann Hofmann kaum noch Einfluss auf seinen Athleten nehmen. Auch deshalb packt er bei Turnieren jeweils am Abend vor dem Start immer seine Koffer, egal ob es sich um ein Major-Turnier handelt oder ein anderes. Er geht mal mit mulmigem, mal mit gutem Gefühl. Am Ende nämlich ist der Coach nie sicher vor Überraschungen durch Langer – auch nach 32 Jahren nicht.

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