Sport : Schwitzen für den großen Wurf

Die Basketball-Nationalmannschaft quält sich für die EM – dort soll die Qualifikation für Olympia gelingen

Benedikt Voigt[Palma de Mallorca]

Das Tagesprogramm der deutschen Basketball-Nationalmannschaft ist auf einem Flipchart in der Eingangshalle im Hotel „Lindner“ in Palma de Mallorca notiert. Es unterteilt in kleine und große Spieler: „10 Uhr Smalls, 11 Uhr Bigs, 13 Uhr Mittagessen“. Darunter steht: „You will never make a shot you did not take.“ Du wirst nie einen Wurf verwandeln, den du nicht genommen hast. Es ist das Motto des Tages, doch eigentlich steht es für die nächsten eineinhalb Monate im deutschen Basketball.

Der große Wurf ist die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2008. Um ihn zu verwirklichen, schwitzen 15 Spieler der deutschen Basketball-Nationalmannschaft seit Wochenbeginn zweimal täglich in einer aufgeheizten Sporthalle in Palma de Mallorca. Sie haben sich für die Europameisterschaft in Spanien (3. bis 16. September) ein äußerst ehrgeiziges Ziel gesteckt. „Wir wollen die Sensation von vor zwei Jahren wiederholen“, sagt Bundestrainer Dirk Bauermann, „es wird unglaublich schwierig, die Spitze in Europa ist sehr breit, aber wir trauen uns das zu.“ Seine Mannschaft gewann vor zwei Jahren in Serbien überraschend Silber, was in diesem Jahr die direkte Qualifikation für Peking bedeuten würde.

In der Vorrunde treffen die Deutschen auf die Türkei, Tschechien und Litauen. Nur zwei direkte Olympiaplätze werden bei der Europameisterschaft vergeben, die nächsten vier Mannschaften qualifizieren sich für ein Olympia-Qualifikationsturnier im Jahr 2008. „Platz sechs ist das Minimalziel“, sagt Bauermann. Sollte der für Peking bereits qualifizierte Weltmeister Spanien unter die ersten sechs kommen, genügt auch Platz sieben zur Vorqualifikation. Eine schlechtere Platzierung aber wäre das größte anzunehmende Unglück.

„Daran möchte ich jetzt nicht denken“, erklärt Wolfgang Hilgert. Der Vizepräsident des Deutschen Basketball-Bundes weiß, dass dies das verfrühte Ende einer überaus erfolgreichen deutschen Basketballgeneration wäre. Der NBA-Star Dirk Nowitzki hat bereits angekündigt, sein Engagement in der Nationalmannschaft nach Peking ruhen zu lassen, die Leistungsträger Patrick Femerling, 32, und Ademola Okulaja, 32, werden möglicherweise ebenfalls aufhören. Es ist die letzte Chance einer Generation, die zum Teil seit der Jugendnationalmannschaft zusammenspielt, sich erstmals für Olympische Spiele zu qualifizieren. „Das muss auch für die jüngeren Spieler eine Extramotivation sein“, sagt Bauermann. Letztmals qualifizierten sich die deutschen Basketballer 1992 für Olympia.

Die Veränderungen sind gering. Wichtig könnte sein, dass Dirk Nowitzki aufgrund des frühen Ausscheidens der Dallas Mavericks in der ersten Play-off- Runde so viel Regenerationszeit hatte wie nie zuvor. „Er ist ausgeruht und heiß, er will so früh wie möglich zur Nationalmannschaft stoßen“, berichtet Sportdirektor Wolfgang Brenscheidt. Auf Mallorca fehlt er wie üblich, sein Kommen hängt davon ab, wann die Mavericks nach dem Erhalt der Versicherungsunterlagen die Freigabe erteilen. „Bisher ist der 16. August geplant“, sagt Brenscheidt, „er könnte aber auch schon früher kommen.“ Dirk Nowitzki wird mindestens sieben Vorbereitungsspiele mit dem Nationalteam bestreiten, so viele wie nie zuvor.

Nur einer ist neu im Kader, Center Kirsten Zöllner. Der 25-Jährige ist aus perspektivischen Gründen dabei, „er kann mittelfristig vielleicht Patrick Femerling ersetzen“, sagt Bauermann. Er dürfte der erste Streichkandidat für den zwölfköpfigen EM-Kader sein. In diesem wird es Bauermann an echten Centerspielern mangeln, weshalb er überlegt, vermehrt Dirk Nowitzki auf dieser Position einzusetzen und Ademola Okulaja, dem unter anderem ein Angebot des Deutschen Meisters Bamberg vorliegt als Power Forward. „Das ist offensiv die stärkste Kombination“, sagt der Coach.

Jan Jagla kann derzeit wegen Neurodermitis nicht trainieren, der lange verletzte Nino Garris und Julian Sensley trainieren zwar mit, für sie dürfte es aber ebenfalls schwer werden, sich für den EM-Kader zu qualifizieren. Bauermann will nach dem Trainingslager den ersten Spieler aussortieren, für ihn wird der große Wurf bereits im Hotel „Lindner“ enden.

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