Sport : Schwitzen für den Stammplatz

Die Eisbären trainieren schon wieder – Trainer Pagé soll bis 2006 bleiben

Claus Vetter

Berlin - Die Urlaubszeit im Sportforum Hohenschönhausen ist vorbei. Seit einigen Tagen pendeln 40 junge Männer zwischen Eishalle, Kraftraum und Sportinternat. Und das sechs Tage die Woche. Ein straffes Programm für die Teenager, von denen viele nach Berlin gezogen sind, um ihrem Traum vom Eishockey-Profi ein Stück näher zu rücken: Die Eisbären halten ihr Nachwuchscamp ab, in noch nicht gekannter Dimension.

Zwei Wochen, bevor die älteren Spieler eintreffen (9. August), ist Peter John Lee der Stress anzusehen. Der Eisbären-Manager trainiert den Nachwuchs. Trainer Pierre Pagé hatte bis vor ein paar Tagen noch Urlaub. Und Lee? Urlaub? „Nein, bei mir gibt es keine Saisonpause. Eine Woche Kanada, das war’s.“ Bemitleidenswert, aber sie wollen bei den Berlinern nun mal etwas erreichen. Möglichst mehr als vergangene Saison, als der Favorit die Finalserie der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) mit einer Niederlage beschloss.

Die Basis soll breiter werden in Berlin: Künftig haben die Eisbären auch ein Team in der dritthöchsten Spielklasse am Start. Die besten Spieler der zweiten Mannschaft sollen auch in der DEL ihre Chance bekommen – so etwa Verteidiger Jens Baxmann (19), die Stürmer Christoph Gawlik (zuvor Mannheim), der beim DEL-Saisonstart am 17. September gerade mal 17 sein wird, oder der 17-jährige Nils Liesegang (Krefeld). Letztere hält Pagé für „außerordentlich talentiert“. Kürzlich erst hätten beide „die Schweizer erschreckt“. Bei Spielen des U-18-Nationalteams in der Schweiz gab es zwei deutsche Kantersiege. Von der Berliner Arbeit mit der Jugend ist selbst der Eisbären-Eigner angetan. Als Philip Anschutz kürzlich in Berlin weilte, verstand sich der Mann aus Denver prächtig mit Pagé. Der Klub blieb – in der DEL eine Ausnahme – von Budgetkürzungen verschont. Zudem soll Pagé, dessen Vertrag Ende kommender Saison endet, bis Mitte 2006 bei den Eisbären bleiben.

Also wird der Kanadier viel Zeit haben, sein Konzept mit der Jugend voranzutreiben. Ohne gestandene Spieler wird es natürlich auch nächste Saison nicht gehen: Mit den beiden kanadischen Verteidigern Derek Walser (26) und Shawn Heins (31) sowie Stürmer Stefan Ustorf (30) haben sich die Eisbären verstärkt. Angesichts von sechs Abgängen kann es das noch nicht gewesen sein. „Zwei Ausländer kommen noch“, sagt Lee. Schließlich dürften die Fans – die Eisbären haben schon über 1000 Dauerkarten verkauft und das bei Preisen bis zu 770 Euro – nicht weniger als den Titel erwarten. Aber für das Thema ist es dem gestressten Lee dann doch zu früh. „Noch ist es Sommer“, sagt er. „Lass uns lieber über andere Dinge sprechen.“

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