Sport : Schwören auf Ferrari und Barrichello

Karin Sturm

Der Teamkollege von Michael Schumacher möchte beim Heim-Grand-Prix den Sieg holenKarin Sturm

Wenn Rubens Barrichello am Sonntag im Ferrari in der Startaufstellung zum Brasilien-Grand-Prix steht, dann wird er nicht nur den Jubel seiner brasilianischen Landsleute registrieren. Auch optisch kann er sich dann in seiner neuen Rolle als kommender Nationalheld bestätigt sehen: Eine Gruppe von 15 Fans hat eine riesige, 100 Kilogramm schwere Barrichello- und Ferrari-Fahne nähen und bemalen lassen, die sie auf der Haupttribüne ausbreiten wollen. Barrichello möchte sie nicht enttäuschen. "Ich will hier konkurrenzfähig sein, noch mehr als in Australien", betont er. Michael Schumachers Teamkollege geht damit motiviert wie nie in seinen Heim-Grand-Prix in Interlagos. Konkurrenzfähig heißt für den Brasilianer, der wenige hundert Meter von der Rennstrecke entfernt aufwuchs, nicht nur konkurrenzfähig gegenüber McLaren-Mercedes. Der Maßstab auf dem Weg an die Spitze ist "Schumi", der für ihn "der im Moment beste Fahrer der Welt" ist. "Deswegen muss ich versuchen, noch besser als er zu sein. Es wird die stärkste Emotion meines Lebens sein, vor meinem Publikum einen Ferrari zu fahren. Ich weiß, dass die Leute hier alle Hoffnungen in mich setzen. Wenn ich mit Schumacher kämpfen muss, um an die Spitze zu gelangen, dann werde ich kämpfen", schwört Barrichello nahezu.

Für "Rubinho", den "kleinen Rubens", wie ihn seine Landsleute nennen, steht das wichtigste Rennen des Jahres bevor. Die Erwartungshaltung bei seinem Heim-Grand-Prix ist vor allem nach dem zweiten Platz zum Saisonauftakt in Melbourne ungeheuer hoch, die Fans erwarten geradezu einen Sieg. Es wäre der erste für die einst so erfolgsverwöhnte Formel-1-Nation Brasilien seit Australien 1993, als der legendäre Ayrton Senna triumphierte. Die nach Jahren der Lähmung nach Sennas Tod neu erwachte Formel-1-Begeisterung im Land ist offensichtlich: Das Rennen am Sonntag ist bereits ausverkauft, nur für das Training gibt es noch ein paar Karten. Im Barrichello-Büro in Sao Paulo stand seit Melbourne das Telefon nicht mehr still. "Ich habe unglaublich viele Medienanfragen und Einladungen bekommen", erzählt Barrichello."

Unter Druck gesetzt fühlt sich Barrichello durch den Rummel um ihn nicht. "Im Gegenteil, im Moment genieße ich es schon, im Mittelpunkt zu stehen. Unter Druck setzt man sich in erster Linie selbst. Diesen Fehler habe ich vor ein paar Jahren gemacht, nach Ayrtons Tod." 1994 und Anfang 1995 meint er damit, als er mit 22 Jahren sofort in die Fußstapfen seines Idols treten wollte und auch sollte. "Inzwischen bin ich reifer geworden. So etwas passiert mir nicht mehr", beschreibt Barrichello seine Situation.

Einen so starken Teamkollegen wie Barrichello hatte der zweimalige Weltmeister aus Deutschland in den fast zehn Jahren seiner Karriere noch nie. Auch wenn Barrichello im Moment taktisch geschickt betont, dass er doch von Schumacher sehr viel lernen könne. "Schumacher überrascht mich jeden Tag wieder mit etwas Neuem. Auch privat haben wir keinerlei Probleme miteinander. Ich finde ihn sehr sympathisch, wir verstehen uns gut", schwärmt der Neu-Ferraristo. Bei Schumachern klingt es ähnlich: "Bisher hatte ich immer Teamkollegen, die langsamer waren als ich. Dann beschwerten sie sich öffentlich. Bei Rubens ist das anders. Der macht einfach nur seine Sache. Ich erwarte von ihm nicht mehr, als ich auch für ihn tun würde - und im letzten Jahr für Irvine getan habe." Geht es demnach zwischen beiden nur freundschaftlich zu? Abwarten. Zumindest auf der Strecke könnte bald eines der härtesten Teamduelle des Jahres losbrechen - auch wenn man jetzt noch locker miteinander scherzt. "Er kommt mir nahe. Ich hoffe, nicht zu nahe", betont Schumacher. Ob er das nur spaßig gemeint hat?

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