Sport : Schwung geholt

Dank einer veränderten Technik gilt Golfstar Tiger Woods bei den US Masters wieder als Favorit

Petra Himmel[Augusta]

Etwas gebeugt geht Jack Nicklaus über den hügeligen Platz von Augusta National. Vor den diesjährigen US Masters, für die er Dank seiner Siege ein lebenslanges Startrecht besitzt, ist der Amerikaner nur noch wenig zum Golfen gekommen. Mit seinen 65 Jahren hat sich der bisher erfolgreichste Spieler der Welt längst auf die Position eines alten Weisen zurückgezogen. Er tut nunmehr stärker seine Meinung zu Fragen des Golfsports kund. Nur bei einem Thema ist seine Haltung unverändert geblieben: Tiger Woods.

Woods, so musste sich Nicklaus 1997 nach dem ersten Masters-Sieg anhören, sei wohl der Golfer, der sein Nachfolger werden könne. Woods werde es sein, der seinen Rekord von 18 Majorsiegen erreichen werde. Zurückhaltend kommentierte der Ältere die Erfolge des Jungen: „Fragen Sie mich in 20 Jahren noch einmal nach der Leistung von Tiger Woods.“

Zwei Jahrzehnte sind noch nicht vergangen, wohl aber acht volle Spielzeiten, die einen Vergleich ermöglichen. Nicklaus gewann in seinen ersten vollen acht Profijahren insgesamt 29mal, davon sieben Major-Turniere. Woods bringt es inzwischen auf 50 Siege und dabei acht Erfolge bei Majors. Wird er also den Rekord von Nicklaus brechen? Er ist auf dem besten Weg dahin. Auch wenn er sich die Rückkehr in die Weltspitze derzeit hart erarbeiten muss.

In den vergangenen Jahren sind Zweifel aufgekommen hinsichtlich der Begeisterung von Tiger Woods für das Profigolf. Fast drei Jahre sind seit dem letzten Major-Sieg vergangen, erst 2005 verbuchte er zum Ende des Jahres zwei Turniersiege. Aus dem scheinbar Unbesiegbaren war für die Konkurrenz fast ein normaler Kollege geworden. Verlobung und Hochzeit mit Elin Nordegren beherrschten stattdessen die Schlagzeilen über ihn, auch die Trennung von Trainer Butch Harmon, die Ablösung durch Vijay Singh als Nummer eins der Weltrangliste. Woods aber sprach mit seinen gerade einmal 29 Jahren nicht mehr von sportlichen Träumen. Er schwärmte lieber von Tauchgängen im Meer, „weil mich die Fische nicht erkennen“.

In Augusta gibt sich Woods eher geheimnisvoll. Wie immer begleitet ein vielsagendes Lächeln seine Antworten auf Interviewfragen, charmante Aggressivität kennzeichnet den Umgang mit der Außenwelt. Seit März arbeitet er mit Hank Haney zusammen, einem Trainer aus Dallas, dem er einen Großteil seiner neuen Erfolge zu verdanken hat. Haney hat ihm eine grundlegende Schwungänderung antrainiert. Damit wurden seine Schläge länger und präziser, die Sicherheit vergangener Jahre kam wieder zurück. „Er geht erheblich mehr ins Detail, als ich es gewohnt war“, sagt Woods über den Trainer. Gut möglich, dass mit ihm eine neue Erfolgsserie begonnen hat.

Die Trendwende bei seinem jüngeren Rivalen entgeht selbst Jack Nicklaus nicht: „Tiger ist mit überaus viel Talent gesegnet, außerdem hat er eine fantastische Arbeitsmoral und ein Riesenbedürfnis zu siegen.“ Auch Woods selbst ist mit seinem Spiel hochzufrieden: „In diesem Jahr weiß ich, dass mein Golfschlag wieder da ist. Ich spiele fast mein bestes Golf.“ Er fühle sich so gut wie 1999, sagt Woods und lächelt. Damals stand er kurz vor seinem ersten Durchbruch.

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