Scouting : Auf der Suche nach dem Talent

Die Scoutingabteilungen der Bundesligisten sind ständig auf der Suche nach neuen Star-Fußballern. Der 1. FC Köln setzt dabei auf eine neue Technologie.

Adrian Bauer

SportsLab nennt sich die Abteilung des 1. FC Köln, die 2008 zur Unterstützung der Spielerscouts eingerichtet wurde. 35 Sportstudenten sitzen in einem Raum im Untergeschoss des Vereinsheims und schauen sich Fußballspiele aus 20 größtenteils europäischen Ligen an. "Für jedes Land haben wir einen Muttersprachler als Beobachter", sagt Boris Notzon, der Leiter von SportsLab. Die Studenten sollen nach bestimmten Kriterien herausfinden, bei welchem Spieler sich ein intensiverer Blick durch einen der FC-Scouts lohnt. Durch den Hinweis aus dem SportsLab-Labor kam im vergangenen Jahr die Verpflichtung des Innenverteidigers Pedro Geromel zustande.

Gewöhnlich dient das SportsLab als zusätzliche Kontrollinstanz der Scouting-Abteilung. "Kein Spieler wird ohne Live-Begutachtung verpflichtet. Wir arbeiten eng mit unseren Live-Scouts zusammen, geben Anregungen, stimmen uns ab und überprüfen gegenseitig unsere Erkenntnisse", sagt Notzon. Die Vorab-Analysen sparen dem Verein Zeit und Reisekosten und machen die Kölner unabhängig von den musikunterlegten Highlight-Videos, die manche Spielerberater verschicken.

Die ausgewerteten Spiele werden gespeichert und stehen auf Abruf bereit. "Wenn Sie mir heute vier Namen von Fußballern nennen, kann ich morgen Videos vorlegen, die die Stärken und Schwächen der potenziellen Neuzugänge zeigen", erklärt Notzon. Vor den Vertragsverhandlungen bekommt die sportliche Leitung von den Scouts eine komplette Bewertung des Spielers.

Anhand des erstellten Profils verpflichtete der FC für diese Saison Christopher Schorch, Maniche und Sebastian Freis. Bei dem ehemaligen Karlsruher war der Aufwand allerdings deutlich geringer: "Bei Spielern aus Mannschaften, gegen die wir selbst antreten, ist kein großes Scouting nötig, weil sie schon in der Spielvorbereitung durch den Trainerstab erfasst werden", erklärt Notzon.

Um SportsLab aufzubauen, modernisierten die Kölner ihr Vereinsgelände. Eine 1-Giga-Bit-Internetleitung wurde verlegt, für die Aufzeichnung der Spiele stehen mehrere Tera-Bytes an Speicherplatz zur Verfügung, zehn Satelliten liefern die Videosignale. Neben dem Scouting tragen SportsLab-Mitarbeiter auch Daten der eigenen Mannschaften von der Jugend bis zur Lizenzspielerabteilung zusammen. Außerdem befasst sich die Abteilung auch mit der Taktik des nächsten Gegners. Im Scouting-Bereich sind mittlerweile die Daten von 150.000 Fußballern gespeichert.

"Wir haben hier ein komplexes, gut aufgestelltes Modell geschaffen, das so in Europa einmalig ist. Außerdem tauschen wir uns mit Vereinen wie Chelsea, Sporting Lissabon oder Manchester City aus, um zu sehen, wie andere in diesem Bereich arbeiten", sagt Notzon. Einmalig ist das System vor allem wegen der schwierigen technischen Umsetzung. Die Geschäftsleitung des Vereins musste externe Firmen und Sponsoren ins Boot holen, um die Voraussetzungen für den Aufbau des SportsLab zu schaffen.

Angeschoben wurde das Projekt von Ex-Trainer Christoph Daum. Seinen Nachfolger Zvonimir Soldo suchten die Kölner aber auf konventionelle Weise aus. "Scouting in der Trainersuche macht meiner Ansicht nach wenig Sinn. Hier sind ganz andere Qualitäten gefragt, die sich im zwischenmenschlichen Bereich bewegen. Da sind Konzepte, Ausstrahlung, Charakter und Reputation und das Auftreten der jeweiligen Kandidaten wichtig", erklärt Notzon.

Der 1. FC Köln schloss seine Planungen für die Saison frühzeitig ab. Die letzte Verpflichtung des Sommers, Verteidiger Christopher Schorch, wurde am 21. Juli bekannt gegeben. Andere Vereine wurden nochmals in letzter Sekunde auf dem Transfermarkt aktiv. Hertha BSC Berlin verpflichtete kurz vor Transferschluss drei neue Spieler: Florian Kringe wurde von Borussia Dortmund ausgeliehen, der kolumbianische Nationalstürmer Adrian Ramos kommt für 1,4 Millionen Euro Ablöse von America de Cali. Die Abwehr soll der Brasilianer Clederson Cesar de Sousa verstärken, der von Al-Ahli Dubai an die Spree wechselte.

Auch der VfB Stuttgart gab am Ende der Transferfrist nochmals Geld aus. Die Schwaben holten Zdravko Kuzmanovic vom AC Florenz. Der Serbe kostete angeblich acht Millionen Euro Ablöse und soll im defensiven Mittelfeld den verletzten Martin Lanig ersetzen.

Eine weitere spektakuläre Last-Minute-Verpflichtung kam nicht mehr zustande. Eintracht Frankfurt bemühte sich intensiv um Spielmacher Lincoln, der in der Bundesliga für Kaiserslautern und Schalke spielte und zuletzt bei Galatasaray Istanbul unter Vertrag war. Die Verhandlungen scheiterten jedoch an den Gehaltsvorstellungen des Brasilianers.

Quelle: ZEIT ONLINE

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