Sport : Scouts tarnen sich als Zuschauer

Wie der HSV einen neuen Trainer sucht

Karsten Doneck

Berlin - Als auch noch José Mourinho, der Startrainer aus Portugal, gerüchteweise ins Gespräch kam, wurde es Bernd Hoffman dann doch zu bunt. Der Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV wich von der Linie ab, die Trainersuche seines Klubs unkommentiert zu lassen. „Das wäre nach den Sternen gegriffen. Und seit Ikarus wissen wir doch, dass einem das nicht gut bekommt“, sagte Hoffmann im „Stern“. Nach dem Dementi schwieg Hoffmann wieder. Das verhindert nicht, dass dem Fußball-Bundesligisten bei seiner Suche nach einem Nachfolger für den am Saisonende scheidenden Huub Stevens weiter unaufgefordert Vorschläge unterbreitet werden, bevorzugt vom Hamburger Zeitungsboulevard. „Wir lassen uns nicht unter Druck setzen“, reagiert Sportchef Dietmar Beiersdorfer betont defensiv.

Die Trainersuche beim HSV zieht sich in die Länge. Am 19. November vorigen Jahres hatte Huub Stevens verkündet, dass er seinen Vertrag nicht über den 30. Juni 2008 hinaus verlängern werde. Er, der Niederländer, wolle mehr Zeit für seine schwer erkrankte Ehefrau Toos haben. Stevens wird deshalb künftig beim PSV Eindhoven arbeiten. Bernd Hoffmann kündigte daraufhin im November an: „Den neuen Trainer bringt eher der Osterhase als der Weihnachtsmann.“ Der Osterhase indes schlug wohl einen Haken um Hamburg, einen Trainer brachte er jedenfalls nicht. Dort suchen sie fünf Wochen nach Ostern und drei Wochen vor Saisonschluss noch immer. Dabei ist die Liste möglicher Trainer lang, sie reicht von A wie Co Adriaanse bis R wie Fred Rutten. Rutten hat inzwischen bei Schalke 04 unterschrieben, dem heutigen HSV-Gegner. Gehandelt werden und wurden auch Jürgen Klopp, Gerard Houllier, Louis van Gaal, Slaven Bilic, Thomas von Heesen, Hans Meyer – um nur einige zu nennen. Viele Namen und nur eine Reaktion vom HSV: „Kein Kommentar“, sagt Beiersdorfer, sagt Hoffmann, sagen alle, die in die Trainersuche beim HSV eingespannt sind.

Die Methode des HSV, den passenden Trainer zu finden, ist neu – und zeitintensiv. Der Klub hat Scouts ausgesandt. Die mischen sich beim Training möglicher Kandidaten unter die Zuschauer, hören sich auch mal an, was der Kandidat auf Pressekonferenzen so erzählt, und führen Gespräche mit Leuten aus dem Umfeld des Trainers. Dann erstatten sie in Hamburg Bericht. Alles zu langatmig? Beiersdorfer wehrt sich. „Wir wollen einfach alles dafür tun, dass der neue Trainer am Ende auch zu uns passt“, sagt er.

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