Sport : Sebastian Kehl

Wie der Dortmunder das Spiel bei Bayer erlebte

Felix Meininghaus

Mit Lob ist Sebastian Kehl in den vergangenen Wochen reichlich bedacht worden. So stark waren die Leistungen des 25-Jähringen, dass Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte, auf Kehls Position gebe es in Deutschland zurzeit keinen Besseren. Beim Gastspiel in Leverkusen kam der zweikampfstarke Profi jedoch nur knapp eine Halbzeit lang auf seiner Planstelle im defensiven Mittelfeld zum Einsatz.

Bis dahin übernahm Kehl wie stets die Aufgabe, die eigenen Reihen zu ordnen und seine zumeist jungen Vorderleute zu dirigieren. Kehl gestikulierte und gab lautstarke Anweisungen, ohne dabei seine Stärken zu vergessen: Zwei gewonnene Zweikämpfe in der Luft, zwei am Boden – zu Spielbeginn strahlte Kehl Dominanz aus. Als das gesamte Dortmunder Mittelfeld in der 17. Minute die Defensivarbeit verweigerte und Simon Rolfes die erste Großchance des Spiels ermöglichte, war jedoch auch von Kehl nichts zu sehen.

Der Aussetzer blieb zunächst die Ausnahme, eine halbe Stunde lang lief die Partie in Kehls Sinne: Mit seiner Hilfe kontrollierten die Dortmunder das Spiel, ehe sie plötzlich in Rückstand gerieten, weil sie bei einem Freistoß schlecht postiert waren – keine Auszeichnung für den Organisationschef.

Zum Ende der ersten Hälfte wurde Sebastian Kehl in die Defensive beordert und musste sich von nun an neben Christian Wörns in der Innenverteidigung bewähren. Seinen Führungsanspruch vergaß Kehl darüber nicht und gab weiterhin viele Anweisungen. Allerdings lief es fortan für den Nationalspieler im Wartestand nicht optimal. Meistens hatte er Leverkusens Stürmer Andrej Woronin zwar im Griff, aber zweimal patzte Kehl auf der ungewohnten Position: Zunächst legte er dem Mann aus der Ukraine den Ball auf, ohne dass dieser Kapital daraus schlagen konnte, später fabrizierte Kehl ein kapitales Luftloch. Es bedeutete doppeltes Glück für ihn, dass Schiedsrichter Merk dem Treffer von Woronin aufgrund einer Abseitsposition die Anerkennung verweigerte und im Gegenzug der Ausgleich fiel.

Dass es am Ende dennoch nicht zum Unentschieden reichte, passte zur durchwachsenen Vorstellung von Sebastian Kehl. Mit seiner generellen Analyse, „wir waren nicht gierig genug, zu null zu spielen“, hätte BVB-Trainer Bert van Marwijk durchaus auch Kehl persönlich meinen können.

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