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Sebastian Vettel gewinnt in Ungarn : Zwischen Emotion und Chaos

Formel-1-Pilot Sebastian Vettel gewinnt den Großen Preis von Ungarn und widmet seinen Sieg dem kürzlich verstorbenen Kollegen Jules Bianchi.

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Sebastian Vettel siegte in Ungarn.
Sebastian Vettel siegte in Ungarn.Foto: dpa

Irgendwie konnte es Sebastian Vettel zunächst kaum glauben. Chaos, Strafen, ein Drama für Mercedes, viele Emotionen – und am Ende gelang es dem Deutschen tatsächlich, zum ersten Mal in seiner Karriere den Grand Prix von Ungarn zu gewinnen, vor den beiden Red Bull von Daniil Kwjat und Daniel Ricciardo. Für den viermaligen Weltmeister war es der 41. Sieg seiner Karriere – womit er mit Ayrton Senna gleichzog. Ein Tag voller Gefühle nicht nur, aber besonders auch für Vettel: Nach dem italienischen Gruß an das Team an der Strecke und die Ferrari-Mitarbeiter zu Hause in Maranello per Funk widmete er den Sieg dem verstorbenen Formel-1-Piloten Jules Bianchi: „Dieser Sieg ist für dich Jules, wir wissen, dass du über kurz oder lang Teil dieses Teams gewesen wärst.“ Was er nachher auf dem Siegerpodest auch noch einmal wiederholte, mit tränenerstickter Stimme.

Die Formel 1 hatte sich 15 Minuten vor dem Start in einer sehr würdigen Zeremonie von Jules Bianchi verabschiedet. Fahrer und Teamchefs bildeten für eine Schweigeminute zusammen mit der Familie von Bianchi, die Formel-1-Boss Bernie Ecclestone extra per Privatflieger aus Nizza an den Hungaroring geholt hatte, einen Kreis. In der Mitte alle Helme, auch der von Bianchi, den sein Vater Philippe mitgebracht hatte. Als dann alle Piloten ihren Kopfschutz aufhoben und auf den Rückweg zu ihren Cockpits mitnahmen, blieb der von Bianchi erst einmal einen kurzen Moment allein zurück. Sicher keine einfache Situation für die Fahrer, was auch Vettel nachher noch einmal ansprach: „Selbst wenn man nachher im Auto ziemlich viel zu tun hat, so ganz kannst du die Gedanken an diese anderen Dinge nicht ausschalten. Vor allem, wenn man eben direkt vor dem Start noch einmal so direkt mit allem konfrontiert wird.“

Beide Mercedes verpatzten den Start

Vielleicht kein großes Wunder, dass ausgerechnet der Brasilianer Felipe Massa nicht korrekt in seine Startposition fuhr, damit einen Abbruch des ersten Startversuchs auslöste und dann auch noch eine Fünf-Sekunden-Strafe kassierte. Massa war wohl unter allen derzeitigen Formel-1-Piloten derjenige, der Bianchi am nächsten stand, auch wegen des gemeinsamen Managers Nicolas Todt.

Als es dann aber los ging, verpatzten beide Mercedes in schöner Eintracht zum zweiten Mal hintereinander nach Silverstone komplett den Start, Lewis Hamilton noch mehr als Nico Rosberg. Diesmal profitierten Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen davon. Ferrari-Doppelführung, damit hatte vorher niemand gerechnet. Und auch nicht damit, dass Lewis Hamilton, der bis dahin das ganze Wochenende so unglaublich souverän beherrscht hatte, dass er gerade seinen Teamkollegen Nico Rosberg schon fast zur Verzweiflung trieb, doch wieder ganz schnell die Nerven verlieren würde. In der Schikane versuchte er noch in der ersten Runde, Rosberg anzugreifen, verbremste sich, rodelte durchs Kiesbett und fiel auf Platz zehn zurück. Nur um gleich im Funk wütend loszuschimpfen: „Das war Nicos Schuld.“

Hamilton baut seinen Vorsprung auf Rosberg aus

Vor allem über die Strategie, aber auch mit kompromisslosem Überrunden schob sich der Brite dann allerdings wieder auf Platz vier hinter Rosberg nach vorne, der gegen die souveränen Ferrari nicht den Hauch einer Chance hatte, ehe Räikkönen Probleme am Hybridsystem des Ferrari bekam und gleichzeitig Nico Hülkenberg mit einem spektakulären Unfall eine Safety-Car-Phase auslöste. Am Force India brach auf der Start-Zielgeraden der Frontflügel, verkeilte sich sich unter dem Auto, das in der ersten Kurve geradeaus in die Leitplanken schoss. Weil auf der Strecke zu viele Trümmerteile lagen, entschloss sich die Rennleitung, das Feld erst einmal durch die Boxengasse um die Strecke zu führen. Beim Neustart machte sich Rosberg dann gleich auf die Verfolgung von Vettel, während sich Hamilton im Übereifer gleich noch einmal in Schwierigkeiten brachte. Eine wilde Attacke auf Ricciardo kostete einen Teil des Frontflügles, einen weiteren Boxenstopp und noch eine zusätzliche Durchfahrtsstafe wegen Verursachens einer Kollision. Aber das Drama für Mercedes war noch nicht zu Ende.

Während sich Hamilton noch auf Rang sechs vorkämpfte, schlitzte fünf Runden vor Schluss Daniel Ricciardo bei einem wilden Angriff im Kampf um Platz zwei Rosberg den Hinterreifen auf. Auf dem langen Weg zurück an die Box verlor er so viel Zeit, dass er am Ende nur Achter wurde. So konnte der Weltmeister seinen Vorsprung in der WM auf seinen Teamkollegen trotz allem sogar noch um vier Punkte ausbauen und Rosberg stand erneut als der noch größere Verlierer da.

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