Sebastian Vettel : Kämpfer auf Abwegen

Sebastian Vettel gilt in der Formel-1-Szene wegen seiner Fehler als unreif – dabei wird leicht übersehen, welches Potenzial er besitzt.

Karin Sturm
Die etwas andere Ehrenrunde. Sebastian Vettel patzte mit seinem Red Bull am Wochenende schon das zweite Mal in Folge.
Die etwas andere Ehrenrunde. Sebastian Vettel patzte mit seinem Red Bull am Wochenende schon das zweite Mal in Folge.Foto: dpa

Ja, er hat einen Fehler gemacht. Aber Sebastian Vettel hatte auch etwas Pech. Beim Anbremsen hat er die Bodenwelle so genau getroffen, dass sein Formel-1-Auto ausbrach. Für sein Image war dieses missglückte Überholmanöver gegen Jenson Button beim Grand Prix von Belgien in Spa am Sonntag nicht gerade förderlich. Schließlich war es schon Vettels zweiter Patzer hintereinander; zuletzt hatte er in Ungarn den Re-Start nach einer Safety-Car-Phase verschlafen und sich dafür eine Strafe eingehandelt, weil er zu viel Abstand zum Vordermann gelassen hatte.

Zwei Fehler in zwei Rennen, das sieht dumm aus – und es führt dazu, dass sich der 23-Jährige von allen Seiten heftige Kritik anhören muss. Im Fahrerlager von Spa wurde jedenfalls heftig über den Deutschen getuschelt: Er sei „unreif“, hieß es, er sei „noch nicht WM-tauglich“, sagten andere. Dabei kann man dem Red-Bull-Piloten mehr als genau diese zwei Fehler in dieser Saison eigentlich gar nicht anhängen: Bei der Kollision mit Teamkollege Webber in Istanbul lag die Schuld bei seinem Team – die interne Kommunikation hatte nicht funktioniert. Alle anderen der bisher verschenkten WM-Punkte sind auf technische Defekte, Teamfehler und ähnliches zurückzuführen. Auch die schlechten Starts, die man Vettel immer wieder ankreidete, hatten praktisch immer technische Ursachen: Mal war Öl auf der Kupplung, mal wurde in letzter Sekunde noch einmal mit der Kupplungseinstellung gespielt.

Andere Fahrer haben viel mehr Fehler begangen. Der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso zum Beispiel patzte in diesem Jahr schon öfter: Beim Frühstart in China, beim Crash im Qualifying in Monaco, und nun auch bei seinem Unfall in Spa kurz vor Rennende. Zwar sagt McLaren-Chef Martin Whitmarsh, dass Vettel „Fehler mache, wie es sie sonst nur in Nachwuchsformeln gibt“. Doch auch sein Fahrer Lewis Hamilton lieferte in den vergangenen Jahren manchen Patzer ab – man denke nur an das völlig unbedrängt in die Mauer gefahrene Auto in Monza 2009.

Dass Vettel trotzdem immer wieder Fehler angelastet werden, hat mit seinem Fahrstil zu tun. Er ist ein Kämpfer auf der Strecke und zählt nicht zu den abwartenden, ruhigen Fahrern, die ihre Erfolge vor allem durch perfektes Taktieren herausholten. Wie Vettels 34-jähriger Teamkollege Mark Webber. Es ist eben eine Frage der Persönlichkeit, des Fahrstils – und ein bisschen auch des Alters und der Erfahrung. Selbst wenn es in diesem Jahr noch nicht mit dem Titel klappen sollte, so könnte dem Deutschen doch die Zukunft gehören. Ein extrem junger und aggressiver Fahrer wie Sebastian Vettel kann noch lernen, seine Fehlerquote weiter zu drücken. Und wird dann womöglich kaum einzuholen sein.

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