Sebastian Vettel : Magie im Auspuff

Die Konkurrenz in der Formel 1 rätselt nach Sebastian Vettels überlegenem Sieg in Japan über das Geheimnis seines Autos

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Allein auf weiter Strecke. In Suzuka fuhr Sebastian Vettel von Anfang bis Ende des Rennens an der Spitze. Foto: Reuters
Allein auf weiter Strecke. In Suzuka fuhr Sebastian Vettel von Anfang bis Ende des Rennens an der Spitze. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Mark Gillan war ratlos. Der Technikchef von Williams hat normalerweise ein sehr gutes Auge für Veränderungen an den Autos der Formel-1-Konkurrenz. Aber der überlegene Triumph des Red-Bull-Piloten Sebastian Vettel in Japan hatte ihn genauso verblüfft wie den Rest der Formel 1. „Ich muss jetzt noch mal ganz genau die Daten des Rennens mit allen Einzelzeiten analysieren“, sagte Gillan. „Vielleicht kann man dann erkennen, was sie gemacht haben.“ Sein Fahrer Bruno Senna wähnte gar übersinnliche Mächte am Werk: „Es scheint, dass Red Bull seine Magie wiedergefunden hat.“

Es war aber wohl kaum Hexenwerk, dass Vettel auf einmal wieder so überlegen fuhr wie in der vergangenen Saison und in der WM-Wertung bis auf vier Punkte an den Ferrari-Piloten Fernando Alonso heranrückte. Vielmehr dürfte es am Wagen gelegen haben, von dem der Weltmeister schwärmte: Es sei „das Auto, von dem man in der Nacht träumt, es einmal fahren zu dürfen, so unbeschreiblich und fantastisch“.

Aber was macht den RB8 auf einmal wieder so unbeschreiblich schnell? Nach Vettels Sieg in Singapur rückte der „Klappflügel“ ins Zentrum der Betrachter – ein Frontflügel, der sich ab einer bestimmten Geschwindigkeit selbst ein Stück nach unten klappt. So können auf Geraden höhere Geschwindigkeiten erzielt werden. Doch zum einen hat auch McLaren diesen Flügel, zum anderen setzte ihn Red Bull in Japan gar nicht ein – weil er bei der Streckencharakteristik auch überhaupt nichts gebracht hätte, wie aus Red-Bull-Technikerkreisen zu hören war.

In Japan vermutete die Konkurrenz dann eine Neuerung im sogenannten DRS-System als Lösung des Rätsels. Das amüsierte Sebastian Vettel sichtlich. Hatten die Formel-1-Detektive dabei doch offenbar einen entscheidenden Punkt vergessen: Das DRS, der per Knopfdruck verstellbare Heckflügel, der auf der Geraden weniger Luftwiderstand bietet, darf überhaupt nur in der Qualifikation ständig eingesetzt werden. Im Rennen gibt es nur eine einzige DRS-Zone pro Runde, in der man das System bei einem Überholversuch aktivieren darf. Vettel, der das ganze Rennen an der Spitze fuhr, musste keinen einzigen Konkurrenten überholen.

McLaren-Pilot Jenson Button hofft nun, „dass es nur eine einmalige Sache war, dass die eben hier mal von Anfang an eine besonders gute Abstimmung erwischt haben“. Christian Danner macht Button da wenig Hoffnung. Der Deutsche, der früher selbst Formel-1-Autos fuhr und heute bei RTL die Rennen kommentiert, schaut sich die Wagen gern ganz genau an der Strecke an. „Der Red Bull lag hier schon vom ersten Training an wie ein Brett auf der Strecke – so ruhig, fest und sicher, wie das letztes Jahr immer der Fall war“, sagte er. „So etwas kommt eigentlich immer von der Aerodynamik, und bei den heutigen Autos meistens von irgendwelchen neuen Feinheiten in den verschiedenen Auspufflösungen.“ Gezielt über den Unterboden abgeleitete Auspuffgase, die den Wagen so auf die Straße pressten, waren schon der Grund für Vettels letztjährige Dominanz. Mittlerweile ist dieses System verboten, doch Danner ist überzeugt, dass Red Bulls Designgenie Adrian Newey im Bereich des Auspuffs wieder etwas ersonnen hat, auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick nicht sichtbar sei.

Wo auch immer Red Bulls Geheimnis liegt: Sebastian Vettel kann mit großem Optimismus in die letzten fünf Saisonrennen gehen. Selbst die Ferrari-verrückte italienische Presse erklärte ihn inzwischen zum WM-Favoriten. McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh sprach für die versammelte Konkurrenz, als er sagte: „Was Red Bull hier gezeigt hat, muss uns zu denken geben – und auch Ferrari.“

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