Sebastian Vettel vor Beginn der Formel-1-Saison : Schadensbegrenzung auf der Rennstrecke

Der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel hat wegen Problemen am Wagen zum Saison-Auftakt der Formel 1 schlechte Chancen. Am Sonntag fährt er für Red Bull um den Großen Preis von Australien. Doch eigentlich geht es zunächst um Schadensbegrenzung

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Schieber, Schieber! Nicht nur bei den Testfahrten hatten Sebastian Vettel und sein Rennstall große Probleme, auch in der unmittelbaren Vorbereitung auf den Großen Preis von Australien am Sonntag lief es nicht sonderlich gut.
Schieber, Schieber! Nicht nur bei den Testfahrten hatten Sebastian Vettel und sein Rennstall große Probleme, auch in der...Foto:dpa

In Melbourne grüßt er von fast jeder Straßenecke, und zwar in deutlicher Überlebensgröße. Mit der vielversprechenden Botschaft „Power meets Glory“ wirbt Sebastian Vettel auf Plakaten für den Großen Preis von Australien. So richtig glücklich sieht der amtierende Weltmeister vor dem Start der Formel-1-Saison am Wochenende allerdings nicht aus. Power meets Glory – wenn es doch nur so wäre für den viermaligen Champion. Was die Stärke seines Autos angeht, muss er sich vor dem Saisonauftakt schließlich einige Sorgen machen.

Software macht noch Probleme

Ausgerechnet Renault, eine der treibenden Kräfte hinter dem neuen Reglement mit den 1,6-Liter-V6-Turbomotoren und dem hochkomplizierten Energierückgewinnungssystem ERS mit zwei Elektro-Motoren, ist bis jetzt nicht besonders gut auf den Wettkampf vorbereitet, es fehlt an Power und Zuverlässigkeit. Einer der Hauptgründe dafür ist wohl die Software, die die verschiedenen Komponenten zum perfekten Zusammenspiel bringen soll. Bislang hat sie nicht richtig funktioniert, was möglicherweise daran liegt, dass von Anfang an verschiedene Entwicklungsgruppen am Werk waren. Der Turbomotor kommt von Renault, große Teile des ERS-Systems stammen von einem anderen Zulieferer, die Speicherbatterien von Red Bull und so weiter und so weiter.

Rosberg und Hamilton sind Favoriten

Vettel weiß, dass er zumindest am Anfang der Saison mit massiven Problemen zu kämpfen haben wird, dass die Konkurrenz diesmal ein ganzes Stück voraus zu sein scheint – vor allem die von Mercedes, bei der sämtliche neuen Systemkomponenten im eigenen Rennstall entwickelt wurden. Zwei Monate, so rechnet man bei Red Bull, dem Weltmeisterteam der vergangenen vier Jahre, werde man brauchen, um den Rückstand aufzuholen und dann die eigentlichen Stärken des Autos, zum Beispiel den grundsätzlich vorhandenen hohen Speed in den Kurven, wirklich ausspielen zu können. Das wäre dann etwa bis zum Start der Europasaison im Mai in Barcelona und würde bedeuten: In mindestens vier Rennen kann es für Vettel allenfalls um Schadensbegrenzung gehen. Darum, den Abstand vor allem zu seinen Rivalen Lewis Hamilton und Nico Rosberg, den derzeit anerkannten Favoriten, nicht zu groß werden zu lassen

Vettel erstaunlich gelassen

Angesichts der schwierigen und für ihn ungewohnten Situation gibt sich der Heppenheimer erstaunlich gelassen. Wohl auch ein Ergebnis der Erfolge der letzten Jahre, wie er glaubt. Schon mit dem ersten WM-Titel habe eine Phase begonnen, in der mehr Ruhe eingekehrt sei, „auch in meinem Kopf“. Das bedeutet allerdings nicht, dass er deswegen weniger motiviert ist. „Ich gehe das Ganze einfach etwas gelassener an“, sagt Vettel.

Auto komplett erneuert

Prognosen und Ziele für den Saisonbeginn will er deshalb auch gar nicht aufstellen, dazu wisse man im Vorfeld viel zu wenig, „weil wir bei den Tests durch unsere Probleme ja viel zu wenig gefahren sind. Deshalb wissen wir überhaupt nicht, wo wir genau stehen.“ Klar ist, dass die Situation im Moment schwierig ist. „Aber wie weit wir tatsächlich sind, das werden wir erst in Melbourne wissen.“ Auch deshalb, weil das Auto, mit dem er jetzt in Melbourne seine Runden dreht, mit dem Auto der Testfahrten nicht mehr viel gemein hat, abgesehen vielleicht vom Erscheinungsbild. „Die technischen Innereien werden andere sein“, sagt Vettel. Müssen sie auch, wenn Red Bull überhaupt eine Chance haben will, die Zielflagge zu sehen.

Vettel hat seinen Wagen "Suzie" getauft

Vettels Hoffnung liegt auch darauf, dass man während des Tests schon sehr viele der Probleme verstanden hat und deshalb bis Australien noch entsprechende Änderungen vornehmen könnte. Ob das funktioniert hat, ob seine „Suzie“, wie er das Auto in diesem Jahr getauft hat, im Laufe der Zeit doch noch so erfolgreich wird wie „Hungry Heidi“ 2013,darauf wird er frühestens im Laufe dieses Wochenendes eine Antwort bekommen.

Dann wird Vettel auch seine Erwartungshaltung anpassen müssen. Denn bei aller neu gewonnenen Gelassenheit: Verlieren ist grundsätzlich immer noch etwas, das Sebastian Vettel nicht ausstehen kann. Das kann oder will er, der schlechte Schauspieler, im Falle einer Niederlage meist auch gar nicht verstecken. „Ich bin nicht hier, um zu verlieren, ich bin hier, um zu gewinnen“, sagt er. Was in einer Situation wie der jetzigen zu anhaltendem Frust führen müsste – wenn er nicht entsprechend reagieren würde.

Was Vettel mit seiner Reife aber natürlich tut, indem er die Umstände, die miteinbezieht und sich mit dem Machbaren zufrieden gibt: Wenn mehr als ein vierter Platz nicht drin gewesen sei, „dann bin ich eben auch mit einem vierten Platz zufrieden“, sagte er kürzlich. Sollte am Sonntag ein vierter Platz herausspringen, wäre das wohl tatsächlich fast mehr wert als jeder Sieg der vergangenen Jahre. Und Sebastian Vettel würde bestimmt deutlich glücklicher dreinschauen als auf den großen Werbeplakaten.

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