Sebastian Vettel : Wenigstens der erste Verlierer sein

Sebastian Vettels Frust war groß nach der vertanen WM-Chance in der Formel 1 – jetzt will er Platz zwei.

Karin Sturm[Abu Dhabi]
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Abgelaufen. Sebastian Vettel prüft die Rennstrecke in Abu Dhabi. -Foto: dpa

Als er vor zwei Wochen in Brasilien aus dem Auto stieg, da wusste er, dass er den Kampf um den WM-Titel endgültig an Jenson Button verloren hatte – und der Frust saß tief bei Sebastian Vettel. So tief, dass der Red-Bull-Pilot erst einmal behauptete, es sei ihm egal, ob er noch Vize-Weltmeister würde oder nicht. Schließlich sei der Zweite sowieso nur erster Verlierer. Inzwischen hat Vettel seine Meinung geändert. „Naja, wenn man grade aus dem Auto kommt, dann sagt man schon mal solche Dinge“, sagt er. Die unüberlegte Äußerung des Deutschen beurteilte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen sogar positiv: „Das ist doch nur ein Zeichen für die wirklich großen Champs, dass sie eine Niederlage erst einmal so hart trifft.“ Theissen war sich sicher, dass Vettels Kampfgeist bald zurückkehren werde.

Und es kam, wie Theissen es prophezeit hatte: In Abu Dhabi, beim Saisonfinale am Sonntag, wird der Heppenheimer sehr wohl alles daran setzen, sich nicht mehr vom zweiten Platz verdrängen zu lassen. Er geht mit zwei Punkten Vorsprung auf den Brawn-Piloten Rubens Barrichello ins Rennen. Vettel rechnet sich ebenso gute Chancen wie bei den letzten Rennen aus. „Die Strecke sollte uns liegen“, sagt er.

Und auch Vettels Saisonbilanz fällt inzwischen freundlich aus: „Am Ende muss man das Positive sehen, nämlich, dass wir eine sehr gute Saison gefahren sind.“ Der Frage, wie er reagiert hätte, wenn ihm vor der Saison jemand gesagt hätte, dass er WM-Zweiter werden würde, weicht er erst einmal aus. Man wisse vorher eben nie, was man von einer Saison erwarten könne, vor der die Regeln drastisch verändert wurden. „Wir hatten schon beim ersten Test ein gutes Gefühl. Wir waren sehr zufrieden mit dem Auto. Bis zum Saisonauftakt in Australien wussten wir aber nicht, wie konkurrenzfähig wir sein würden“, erzählt Vettel rückblickend.

Für ihn war es wichtig, von Anfang bis Ende ein Auto zu haben, welches vorne mitfahren kann, „auch wenn es in diesem Jahr allgemein ziemlich viele Auf und Abs gab“. Und dann antwortet Vettel doch noch auf die hypothetische Frage nach dem vorher bekannten zweiten Platz: „Wenn mir das also jemand gesagt hätte, dann hätte ich wohl geantwortet: Warum werde ich nicht Erster? Wenn ich schon ein Auto habe, das gut genug ist für den zweiten Rang, warum soll es dann nicht mit Platz eins klappen?“

Vettel macht kein bestimmtes Rennen oder einen bestimmten Faktor dafür verantwortlich, dass Jenson Button bereits als Weltmeister feststeht und er die Titelchance vergeben hat. Der 22-Jährige musste erfahren, wie wichtig es ist, manchmal zumindest Zähler auf den hinteren Punkterängen zu sammeln – so wie Button in der zweiten Saisonhälfte. Vettel fiel hingegen fünf Mal aus und blieb ohne Punkte. „Wir waren immer stark genug, um unter die ersten fünf zu kommen, mit der Ausnahme von Monza. Aber es gab Pech, Fehler bei der Strategie und manchmal habe ich selbst Fehler gemacht“, sagt Vettel.

Der Große Preis von Australien mit der Kollision mit Robert Kubica war einer dieser Fehler – den Vettel selbst allerdings als nicht so gravierend einschätzt. Es habe noch viele andere Dinge gegeben, die ihn Punkte kosteten. „Einige unserer Entscheidungen waren nicht die cleversten, aber daraus können wir lernen – um es nächstes Jahr besser zu machen und dann wieder nach dem Titel zu greifen“, sagt Sebastian Vettel zuversichtlich.

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